56. Grimme-Preis 2020

The Love Europe Project (Sperl Film + Fernsehproduktion /ZDF Das kleine Fernsehspiel für ZDF/ARTE)

 

Grimme-Preis an

 

Claudia Tronnier (stellv. für die Redaktion)

Gabriela Sperl (stellv. für die Produktion)

 

Produktion: Sperl+Film, ZDF/Das kleine Fernsehspiel

Erstausstrahlung: ARTE, Samstag, 11. Mai 2019, 23.10 Uhr

Sendelänge: 99 Min.

 

Inhalt

„The Love Europe Project“ ist ein Episodenfilm, der im Kontext der Europawahl 2019 produziert wurde. Zehn Filmemacher*innen erzählen in neun Kurzfilmen, was sie mit Europa verbinden. Sie beschreiben Wünsche, Ängste und Hoffnungen von Menschen in Europa, die aus verschiedenen geographischen, kulturellen und sozialen Zusammenhängen aufeinandertreffen. Der Film ist eine Reise durch drei Jahrzehnte europäischer Geschichte und führt nach Deutschland, in die ehemalige Tschechoslowakei, nach Kasachstan, England, Kroatien, Polen, Frankreich, Norwegen, Italien und Griechenland. Die rund zehnminütigen Episoden unterscheiden sich in ihrer künstlerischen Form und Thematik. Mit starken Bildern spiegeln sie auf vielfältige Weise alltägliche Begegnungen und Konflikte. Jenseits der aktuellen Tagespresse fokussieren sie dennoch die gegenwärtigen Herausforderungen Europas, samt dessen Stärken und Schwächen.

 

Stab

Redaktion: Claudia Tronnier (ZDF/Das kleine Fernsehspiel), Alexandra Staib (ZDF), Lucas Schmidt (ZDF/Das kleine Fernsehspiel), Olaf Grunert (ZDF/ARTE), Andreas Schreitmüller (ARTE)

 

Die Filme im Einzelnen

BABYLON

Buch: Sebastian Stern

Regie: Sebastian Stern

Kamera: Alexander Hasskerl

Schnitt: Sebastian Stern

Originalton: Neary Wach

Tongestaltung/Sounddesign: Johannes Kunz

Musik: Klaus Meine, Karel Richard Svoboda, Django Marschall, Peter Ilyich Tchaikovsky, Dominiuk Glöbl

Darstellung: Philipp Franck, Rosalie Malinská, Esther Kuhn, Stephan Zinner, Tristan Huber, Matthias Köckeis, Robert Franck

 

PART OF THE WORLD

Buch: Dimitrij Schaad, Alex Schaad

Regie: Alex Schaad

Kamera: Ahmed El-Nagar

Schnitt: Franziska Köppel

Ton: Frank Klement

Musik: Richard Ruzicka

Darstellung: Alexander Kovalev, Gustav Schmidt, Dimitrij Schaad, Katharina Schaad

 

PAIRED UP

Buch: Amelia Hashemi, Charlotte Regan

Regie: Charlotte Regan

Kamera: Franklin Dow

Schnitt: Phill Currie

Ton: Ben Adams

Musik: Angus Mcrae

Darstellung: Ruby Thompson, Spike Fearn, Tejal Rathore, Darcy Rafter, Harry Pinder, Matilda Reynolds, Alec Radosavljevic, Andrew Paul, Lisa Ray-Jacobs

 

LIKE A BIRD

Buch: Michaela Kezele

Regie: Michaela Kezele

Kamera: Morten Søborg

Schnitt: André Bendocchi-Alvez

Ton: Tiro Moreno

Musik: Gerd Baumann, Gregor Hübner, Theresa Zaremba

Darstellung: Zrinka Cvitešić, Leni Erceg, Slavko Štimac, Aleksandra Janković, Mina Mogorović

 

THE OLD MAN AND THE BUCKET

Buch: Tomasz Emil Rudzik

Regie: Tomasz Emil Rudzik

Kamera: Bogumił Godfrejów

Schnitt: Wojciech Słota

Ton: Studio Soundprove, Michał Wójcik, Wojtek Szuperski

Musik: Andrzej Strzemżalskii, Endy Yden

Darstellung: Marian Dziędziel, Wojciech Mecwaldowski, Patrycja Durska, Paweł Pawłowski, Nathalia Filimon, Alex Terczyński

 

FLEEING IN EUROPE

Buch: Aline Fischer

Regie: Aline Fischer

Kamera: Ania Winkler

Schnitt: Janina Herhoffer

Ton: Vincent Perret

Musik: Michael Heubach

Darstellung: Waël Noureddine, Manon Heugel, Marie Klock, Fleur Offwood

 

FUN FACTORY

Buch: Lisa Brooke Hansen, Even Hafnor

Regie: Lisa Brooke Hansen, Even Hafnor

Kamera: Øystein Mamen

Schnitt: Christian Siebenherz

Ton: Odin Eggen Brække

Musik: Thord Gummesson

Darstellung: Janne Heltberg, Tobias Santelmann, Farhia Mohamed, Shamsa Issa Abdi, Julija Salaseviciute, Natalie Price Hafslund

 

THE ENTRANCE

Buch: Laura Bispuri

Regie: Laura Bispuri

Kamera: Francesca Amitrano

Schnitt: Carlotta Cristiani

Ton: Daniela Bassani, Giancarlo Rutigliano    

Darstellung: Patience Sare, Nunzia Schiano, Tatiana Lepore, Sandra Toffolatti, Giorgio Belli, Rosa Giampaolo, Antonia de Santis, Enzo Bertoldi, Abdullatif Sare

 

CEDAR WOLF

Buch: Sofia Georgovassili

Regie: Sofia Georgovassili

Kamera: Giorgos Valsamis

Schnitt: Thanassis Totsikas

Ton: Christos Sakellariou

Musik: Coti K

Darstellung: Aris Servetalis, Mahdi Karimi, Aggelos Flessas

 

Begründung der Jury

Der Begriff der Freiheit ist sowohl in als auch für Europa eine elementare Idee, deren Bedeutung sowie Auslegung sich verändert. Diese Veränderung ist aktuell auf vielen Ebenen spürbar. Eine gemeinsame Auffassung von Freiheit zu haben, die – im Sinne von „In Vielfalt geeint“ –  ein Miteinander ermöglicht, erscheint zunehmend herausfordernder.

Europa ist reich an Geschichte – und Geschichten. „The Love Europe Project“ vereint Geschichten über Ländergrenzen hinweg und ist ein Appell, Europas Vielfalt und damit die Komplexität von Freiheit zu begreifen. Die Miniaturen bieten uns Blicke von außen an, die zunächst die Augen, dann das Herz und schließlich den Verstand öffnen für die Interessen der Menschen in Europa: Die Freiheit, zu reisen (Babylon), die eigene sexuelle Identität zu leben (The Old Man and the Bucket), gesellschaftliche Anerkennung zu erlangen (The Entrance), gegenseitige Akzeptanz zu erfahren (Fun Factory) oder dem Krieg zu entfliehen, um neu anzufangen (Cedar Wolf).

Die Inszenierungen spiegeln kulturelle Besonderheiten, verhandeln Vorurteile, Stereotypen und Klischees – teils didaktisch, teils poetisch-abstrakt, jedoch immer vielschichtig. Die Zusammenstellung rahmt nicht nur die Perspektiven, sondern schafft damit den Mehrwert dieses Projekts: Mit jeder weiteren Episode wächst die Erkenntnis, dass es sich lohnt, die eigene Position zu hinterfragen und tradierte Schemata zu durchbrechen. So wird z.B. in vielen der Geschichten deutlich, dass nicht unterschiedliche Sprachen eine Barriere zwischen den Menschen bilden, sondern die Sprachlosigkeit darüber, wie wir miteinander umgehen, die größte Herausforderung ist, der wir uns stellen müssen.

Bei keiner anderen Produktion dieses Fernsehjahres ist die Jury sich über die Notwendigkeit einer Auszeichnung derart einig. Die Jury ist der Meinung, dass es ein gutes Zeichen ist, so viele Akteur*innen für ein gemeinsames europäisches Projekt begeistern zu können. Hierfür ist es notwendig, die Initiative zu ergreifen, die kreativen Ideen ernst zu nehmen und diese zusammenzuführen. Hervorzuheben sind dafür – neben den Leistungen aller beteiligten Autor*innen, Regisseur*innen und Darsteller*innen – Claudia Tronnier, Redaktion ZDF/Das kleine Fernsehspiel, und Gabriela Sperl, Sperl Film + Fernsehproduktion.

Wir brauchen mehr Filme, die dazu anregen, unsere Ideen für ein gemeinsames Europa zu äußern und unsere Vorstellungen von Freiheit zu diskutieren, um ein Miteinander gemeinsam gestalten zu können. Filme, die uns auffordern (politisch) zu handeln, anstatt in eine Abwehrhaltung zu verfallen und dort zu verharren. Filme, die zeigen, wie kostbar und notwendig Vielfalt für Europa ist.

 
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