56. Grimme-Preis 2020

How To Sell Drugs Online (Fast) (btf für Netflix)

 

Grimme-Preis an

 

Matthias Murmann (Creator)

Philipp Käßbohrer (Creator)

Sebastian Colley (Buch)

Stefan Titze (Buch)

Arne Feldhusen (Regie)

Lars Montag (Regie)

 

Produktion: btf GmbH

Erstveröffentlichung: Netflix, Freitag, 31. Mai 2019

Sendelänge: 6 Folgen je 30 Min.

 

Inhalt

Wir befinden uns in Rinseln, der scheinbar durchschnittlichsten Kleinstadt Deutschlands. Begrüßt werden wir von dem 17-jährigen Außenseiter Moritz (Maximilian Lundt). Der Anfang seiner Geschichte ist schnell erzählt, denn wie in vielen Fällen meint es die Schulzeit nicht gut mit ihm: Seine Freundin Lisa (Anna Lena Klenke), die nach einem Auslandsjahr zurückgekehrt ist, trennt sich und bandelt mit dem coolen Schuldealer Dan Riffert (Damian Hardung) an. Lichtblick ist da aktuell nur sein bester Freund, der schwerkranke Lenny (Danilo Kamperidis), und ein Plan: Heute Nerd, morgen Boss – und so Lisa zurückgewinnen. Gemeinsam mit Informatiktalent Lenny startet der technikaffine Moritz aus seinem Kinderzimmer heraus den Online-Drogenhandel „MyDrugs“. Schnell sehen sie sich als Anführer ihres inzwischen gar nicht mehr so kleinen Drogenimperiums mit großen Herausforderungen konfrontiert. Hierzu gehört der aggressive Drogenlieferant Buba (Bjarne Mädel).

 

Stab

Produktion: btf

Showrunner: Philipp Käßbohrer, Matthias Murmann

Buch: Philipp Käßbohrer, Stefan Titze, Sebastian Colley

Regie: Lars Montag, Arne Feldhusen

Kamera: Armin Franzen

Schnitt: Marc Schubert, Rainer Nigrelli, Christoph Cepok, Alex Kutka

Ton: Michael Arens, Rene Nicklaus, Moritz Minhofer, Kai Czerwonka

Musik: Konstantin Gropper

Darstellung: Maximilian Mundt, Danilo Kamperidis, Lena Klenke, Damian Hardung, Leonie Wesselow, Luna Schaller, Bjarne Mädel, Roland Riebeling, Amely Trinks u.v.m.

 

Begründung der Jury

Sich von einer Vielzahl bestehender nationaler und internationaler Serienproduktionen durch eine individuelle Ästhetik abheben und thematisch den Zahn der Zeit treffen – nicht nur diese Anforderungen erfüllen die Macher von „How to Sell Drugs Online (Fast)“ scheinbar mit Leichtigkeit. Die sechsteilige Serie behandelt den Alltag Heranwachsender in kleinstädtischem Setting mit all seinen Tücken: Liebe und Herzschmerz, Schulalltag, Party und Freizeitgestaltung, Familie und Freunde, Krankheiten und Glück, sozialer Druck und Gruppenzugehörigkeiten. „How to Sell Drugs Online (Fast)“ wirkt dabei so innovativ wie kaum ein anderes nationales oder internationales Serienformat. Die geschickte visuelle Umsetzung der Social-Media-Aktivitäten der Heranwachsenden und des bunten Drogenrauschs, die schnellen Schnitte, die Durchbrechung der vierten Wand und der Verkauf der Story der Serie durch den Protagonisten an fiktive Netflix-Produzenten – all das und noch viel mehr fesselt die Zuschauer*innen an die Coming-of-Age-Serie, die zudem das erste Fiction-Projekt der Kölner bildundtonfabrik darstellt.

Die Gründung eines Online-Partydrogen-Startups durch zwei Freunde, Moritz (Maximilian Mundt) und Lenny (Danilo Kamperidis), deren Freundschaft durch tiefe Verbundenheit, Freude am Nerd-Dasein, Lebenskrisen sowie eine ernsthafte Krankheit mitsamt körperlicher Einschränkung maßgeblich bestimmt wird, als Mittel um Lisa, die verflossene Liebe von Moritz, wiederzugewinnen – was zunächst skurril erscheint, wird durch die Macher von „How to Sell Drugs Online (Fast)“ auf fast wundersame Weise zusammengefügt.

Besonders auffällig erscheinen die Episodentitel: „Nerd Today, Boss Tomorrow“, „Life’s Not Fair, Get Used to It“, „Failure is Not an Option” usw. Auch in den Dialogen der beiden Freunde und Gründer Moritz und Lenny spiegelt sich dieses spezielle Wording aus der Startup-Szene wider – zumindest, wenn es um ihr Business geht. Und Business meint bei „How to Sell Drugs Online (Fast)“ eben einen Online-Partydrogen-Handel. Das erfolglose Online-Auktionshaus der beiden Freunde, das sich an Videospiel-Nerds richtet, entwickelt sich zu einer stetig professionalisierten, europaweit agierenden Drogen-Plattform. Plötzlich gehören auch die coolen Kids zur Zielgruppe der Nerds.

Auf sehr geschickte Weise spricht die Serie nicht nur thematisch, sondern auch in der Umsetzung ihr junges Zielpublikum an. Wiederkehrende Skip-Passagen, die in Richtung der „Boomer“-Generation sticheln, bieten besonders kreative Identifikationsmomente für eine junge, internetaffine Zielgruppe.

 
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