56. Grimme-Preis 2020

Prince Charming (Seapoint Productions für TVNOW)

Grimme-Preis an

 

Nicolas Puschmann (Protagonist)

Nina Klink (Produktion)

Jan Graefe zu Baringdorf (Executive Producer)

Nora Kauven (Executive Producer)

 

Produktion: Seapoint Production

Erstveröffentlichung: TVNOW, ab Mittwoch, 30. Oktober 2019

Sendelänge: je 60 Min.

 

Inhalt

Ein „Prince Charming“ und 20 Kandidaten, die sein Herz gewinnen wollen: So ist die erste schwule TV-Datingshow Deutschlands konzipiert. In acht Folgen hat die Streamingplattform TVNOW die Geschehnisse in einer Villa im sommerlichen Griechenland aufbereitet. Am 30. Oktober lief die Auftaktfolge, am 18. Dezember, nach etlichen Einzel- und Gruppendates und diversen schwarzen Krawatten, die statt Rosen an die im Rennen verbleibenden Kandidaten verteilt wurden, hatte „Prince Charming“ Nicolas Puschmann seine Wahl getroffen. Im Frühjahr 2020 wird Vox die erste Staffel im linearen TV wiederholen. Parallel wird bereits an der zweiten Staffel gearbeitet.

 

Stab

Darstellung: Nicolas Puschmann, Aaron Königs, Adrian M., Alexander Gutbrod, Andreas Kürner, Antonio Sosic, Daniel ,,Dan‘‘ Meurer, Dominic Smith, Dominik Lassnig, John R., Kiril Galabinov, Lars Tönsfeuerborn, Manuel Flickinger, Marco Tornese, Martin Angelo, Pascal Büchel, Robert Rottensteiner, Robin Eichinger, Sam Dylan, Sebastian H., Simon Goga

Moderation: Angela Finger-Erben, Off-Stimme: Thorsten Schorn

Schnitt: kombinat Postproduktion Chevallier & Leder

Redaktionsleitung VOX: Kirsten Petersen

Redaktion VOX: Alena Bockers, Katharina Sprott

 

Begründung der Jury

Im Märchen rettet der Prince Charming die Damsel in Distress aus höchster Not. Im Fernsehen lässt der Prince die Damsel neuerdings links liegen und angelt sich selber einen Podcaster, äh, Prinzen. Keine Revolution, möchte man meinen, und dann irgendwie doch eine: Mit der ersten schwulen Kuppelshow des deutschen Fernsehens haben Vox und TVNOW gezeigt, dass Unterhaltung und gesellschaftliche Öffnung selber ein Traumpaar sein können. Denn „Prince Charming“ lässt seine Hetero-Vorbilder im Vergleich ziemlich alt und abgeschmackt aussehen. Wo die Konkurrenten in „Bachelor“ und „Bachelorette“ gegeneinander keifen, wird bei „Prince Charming“ einfach geknutscht.

Oder auch mal geweint. Dank der Unbefangenheit, die ein Format so nur in seiner Debütstaffel haben kann, brechen sich in „Prince Charming“ immer wieder unerwartet Momente echter Gefühle und echter Verbundenheit Bahn. Selbst etwas Kitschiges wie das Steigenlassen von weißen Ballons, an denen eine Karte mit persönlichem Wunsch befestigt wird, kann hier in Tränen münden, denn so offen und unverstellt wie bei „Prince Charming“ haben sich Kandidaten im Reality-TV schon lange nicht mehr gezeigt. Dasselbe in Pink? Keineswegs: Beiläufig fließen Geschichten von familiärer Zurückweisung und Diskriminierung in der Community, aber auch von geglückten Coming-Outs und erwiderten Gefühlen in die Show ein.

Solche Szenen sind fester Bestandteil von „Prince Charming“, und anstatt den Unterhaltungswert zu unterlaufen, ergänzen sie ihn: Es geht auch um etwas in diesem Format, um Respekt und Normalisierung. Und das kann man ansprechen, ohne auf Prosecco und gewaxte Pobacken und Bodypainting im String-Tanga zu verzichten. Die Mischung aus Witz und Flirt, Ernst und Emotion, die „Prince Charming“ gelingt, ist dabei ohne Nicolas Puschmann, den Titelhelden des Formats, nur schwer vorstellbar. Selten wurde ein Protagonist so gut gecastet, und selten wurden ihm so gute Kandidaten zur Seite gestellt. Mann begegnet sich auf Augenhöhe – und wieder sehen die klischierten Geschlechterdynamiken der Vorläufer-Formate einen Tick älter und abgeschmackter aus.

Wenn dieser „Prince Charming“ am Ende die Liebe findet, dann ist das nicht nur tolle, emotionale Fernsehunterhaltung. Dann ist das auch eine neue Art von Märchen.

 
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