„2019 hat uns als Gesellschaft gefordert“

Grimme-Institut gibt Nominierungen zum 56. Grimme-Preis 2020 bekannt

(Marl) 73 Produktionen und Einzelleistungen sind für den 56. Grimme-Preis 2020 nominiert. Aus über 850 Einreichungen und Vorschlägen wählten die Kommissionen in den Kategorien Information & Kultur, Fiktion, Unterhaltung und Kinder & Jugend die Nominierten aus. Diese stellen sich ab dem 25. Januar der Beurteilung der Jurys, die insgesamt bis zu 16 Grimme-Preise vergeben können. Die herausragenden Produktionen und Leistungen werden am 27. März 2020 im Theater der Stadt Marl mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet.

„2019 war ein Jahr, das uns als Gesellschaft gefordert hat. Themen des Jahres wie Klimaschutz, 30 Jahre Mauerfall oder Seenotrettung spiegeln sich in den Einreichungen des 56. Grimme-Preisjahres“, so die Direktorin des Grimme-Instituts, Dr. Frauke Gerlach. „In diesem Jahr finden wir kategorienübergreifend Produktionen, die eine Antwort auf die Frage suchen, wie wir zusammenleben wollen.“

Die privaten Anbieter können sich erneut über insgesamt elf Nominierungen freuen. Netflix ist zum ersten Mal in zwei Kategorien vertreten, mit „Wir sind die Welle“ (Rat Pack Filmproduktion, Sony Pictures Film und Fernseh Produktions GmbH für Netflix) und „How to sell drugs online (fast)“ (btf für Netflix) sind alleine zwei Formate des Streaminganbieters in der Kategorie Kinder & Jugend nominiert. Auch RTL geht in zwei Kategorien ins Rennen um einen Grimme-Preis: mit der Produktion „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ (Superfilm Filmproduktions für ORF/RTL Crime) in der Kategorie Fiktion; „Prince Charming“ (Seapoint Productions für RTL/TVNOW) steht im Wettbewerb der Unterhaltung.

Sechzehn Formate, Einzelsendungen und Serien sowie je zwei Spezialleistungen wurden in der Kategorie „Kinder & Jugend“ nominiert. „Im Bereich Kinder & Jugend sehen wir Formate, die abwechslungsreich und kurzweilig informieren, Zusammenhänge darlegen und gesellschaftliche Diskussionen anregen. Das ist eine klare Positionierung: Die Sender haben die junge Zielgruppe zunehmend im Blick, wenn es um die altersgerechte Behandlung gesellschaftspolitischer Fragen bei der Entwicklung und Fortsetzung von Formaten und Angeboten geht“, so Gerlach. Hoffnung auf einen Grimme-Preis können sich unter anderem die Macher*innen von „Karakaya Talk“ (Labo M für WDR/funk), „Der Krieg und ich“ (LOOKSfilm/Toto Studio/SWR/ARTE/ARTE France/BBC) und „Ein Fall für die Erdmännchen – Weihnachtsmann gesucht“ (bigSmile für NDR) machen. Das Kindernachrichtenformat „logo! Die Welt und ich.“ (ZDF/KiKA) und die Moderatorin Nemi El-Hassan von „Jäger & Sammler“ (UFA X für ZDF/funk) wurden mit einer Spezialnominierung bedacht.

Die negative Entwicklung der vergangenen Preisjahre beim Unterhaltungsfernsehen setzt sich fort: Von 19 möglichen Nominierungen schafften es in diesem Jahr nur neun Produktionen unter die besten des Fernsehjahres. Ausgewählt sind unter anderem „Joko & Klaas LIVE – 15 Minuten“ (Florida TV für ProSieben), „Die Geschichte eines Abends … mit Olli Schulz“ (NDR) und „Chez Krömer“ (ProBono Tv für rbb).

Im Wettbewerb Fiktion stehen noch 23 Produktionen und Einzelleistungen im Wettbewerb um einen der fünf Grimme-Preise. „Es zeigt sich, dass die Auseinandersetzung mit gesellschaftlich relevanten Stoffen zurückgeht und die Macher und Macherinnen auf bewährte Genres wie den Krimi setzen“, erklärte Frauke Gerlach. Für die Serie war auch 2019 ein starkes Jahr, insgesamt 37 wurden durch die Nominierungskommission Fiktion gesichtet, fünf wurden nominiert, darunter „Eden“ (Atlantique Productions/Port au Prince für SWR/ARTE/ARTE France/ARD Degeto), „Der Pass“ (Wiedemann & Berg/epo-film für Sky) und „Andere Eltern“ (eitelsonnenschein für TNT). Eine Spezialnominierung erhielten die Serien „Skylines“ (Komplizenfilm für Netflix) für den überzeugenden Umgang mit Musik sowie „Die neue Zeit“ (zero one film/Constantin Television/Nadcon Film für ZDF/ARTE) für ihre hochwertige Ausstattung. Eine weitere Spezialnominierung ging an Heinrich Breloer für die besondere Kunst des Übergangs von Dokumentarischem und Fiktionalem in „Brecht“ (Bavaria Fiction/Sattelfim/MIA Film für WDR/BR/SWR/NDR/ARTE).

Die weiter hochaktuellen gesellschaftspolitischen Themen Flucht und Migration, Rechtsextremismus, gesellschaftliche Ungleichheit, Klimawandel und ein unter Druck stehendes Europa fanden auch in diesem Jahr in besonderem Maße im Bereich Information & Kultur ihren Niederschlag. Auch viele Beiträge zum dreißigjährigen Jubiläum des Mauerfalls prägten das dokumentarische Fernsehjahr 2019. 23 Beiträge und Einzelleistungen wurden nominiert, darunter „Lucica und ihre Kinder“ (B’Braun Filmproduktion für ZDF/3sat), „Draußen“ (unafilm für WDR/ARTE), „Die Story im Ersten: Tote auf der Balkanroute“ (BR) und der Dokumentarfilm „Dark Eden“ (MADE IN GERMANY Filmproduktion für ZDF/3sat), der anhand des kanadischen Fort McMurrays den existenziellen Preis der fossilen Energie aufzeigt.

Im Rahmen der Kategorie Spezial wurden Nadia Kailouli und Jonas Schreijäg für die wirkmächtige Aufbereitung ihrer exklusiven Recherche vom Seenotrettungsschiff Sea-Watch 3 in verschiedenen Formaten und Filmen (NDR/funk) sowie Britt Beyer, Vassili Silovic (beide Gesamtregie) und Volker Heise (Idee/Konzept) für die Umsetzung des Großkonzepts „24h Europe – The Next Generation“ (zero one film/Ideale Audience/rbb/SWR/BR/RTBF/ARTE/ARTE GEIE/ARTE France für ARD-alpha/YLE/Ceska Televize) nominiert.

Für die Besondere Journalistische Leistung nominierte die Kommission die Journalist*innen Olga Sviridenko, Edmund Willison, Hajo Seppelt, Jörg Winterfeldt und Shea Westhoff unter anderem für ihre Recherchen für die im Rahmen der ARD-„Sportschau“ ausgestrahlte Dokumentation „Kampf ums Geschlecht“ (WDR), die Redaktion von MONITOR für das hohe Niveau ihrer kontinuierlichen und haltungsstarken Berichterstattung über Rechtsextremismus und Rechtsterrorismus (WDR) sowie Oliver Mayer-Rüth, stellvertretend für das Team des ARD-Studios Istanbul, für seine facettenreichen Beiträge aus der Türkei (BR).

Weitere Einzelheiten finden sich in der Übersicht aller Nominierten unter
https://www.grimme-preis.de/56-grimme-preis-2020/nominierungen/

Am 29. Januar 2020 haben alle Nominierten gemeinsam mit den Kommissionen und Jurys die Gelegenheit, ihre Nominierung beim traditionellen Bergfest in Marl zu feiern. Hier werden auch die Preisträgerinnen und Preisträger des diesjährigen Bert-Donnepp-Preises ausgezeichnet.
Die Preisträgerinnen und Preisträger des 56. Grimme-Preises 2020 werden am 3. März 2020 bei einer Pressekonferenz im Essener Grillo-Theater bekanntgegeben.

 
Zurück