71 Produktionen und Einzelleistungen nominiert

Die Nominierungen des 62. Grimme-Preises 2026

Die Nominierungskommissionen des 62. Grimme-Preises haben Anfang Januar getagt und in den Kategorien Information & Kultur, Fiktion, Unterhaltung sowie Kinder & Jugend aus mehr als 750 Einreichungen 71 Produktionen und Einzelleistungen für den Grimme-Preis nominiert. Insgesamt elf Nominierungen gehen an Privatsender und Streaminganbieter, davon zwei in der Kategorie Information & Kultur, vier in der Fiktion, drei in der Unterhaltung und zwei in der Kinder & Jugend-Kategorie. 

„Die Nominierungen für den diesjährigen Grimme-Preis spiegeln eindrucksvoll die Vielfalt und Stärke des aktuellen Fernsehjahres wider“ so die Geschäftsführerin des Grimme-Instituts, Çiğdem Uzunoğlu. 

So finden sich in der Kategorie Information & Kultur unter anderem herausragende Produktionen zu Rechtsextremismus und Rassismus und zur Geschichte der DDR. Auch in der Kategorie Fiktion bilden sich aktuelle Themen wie Polizeigewalt, Antisemitismus und Faschismus, Wirtschaftskriminalität oder Klassismus ab. Im Kinder- und Jugendprogramm überzeugten die Nominierten durch erzählerische Kreativität, ernsthafte Auseinandersetzung mit der Lebensrealität junger Menschen sowie innovative Formate, die Orientierung bieten und zum Dialog anregen. In der Unterhaltung zeigt sich, wie zeitgemäß und gesellschaftlich anspruchsvoll das Genre sein kann – mit Formaten, die Humor, Haltung und Originalität auf überzeugende Weise verbinden.

„Die Nominierungen für den Grimme-Preis stellen dabei Produktionen und Leistungen in den Mittelpunkt, die Haltung zeigen, Sorgfalt walten lassen und neue Perspektiven eröffnen,“ so Uzunoğlu. Gerade in Zeiten großer gesellschaftlicher Umbrüche komme den Medien eine besondere Verantwortung zu. Der Grimme-Preis verstehe sich dabei als Forum für Qualität, Relevanz und die kontinuierliche Auseinandersetzung mit dem, was unsere Gegenwart prägt, so Uzunoğlu und weiter: „Den Nominierungskommissionen danke ich sehr für ihre Arbeit, es war sicher nicht leicht in diesem Jahr!“

Die Kommissionen setzten sich in ihrer Preisarbeit kritisch mit dem gesamten Fernsehjahr auseinander: So kam die Kommission Fiktion zu dem Ergebnis, dass es deutlich weniger diverse Stoffe gab als in den vergangenen Jahren; dies stehe im Gegensatz zu den positiven Entwicklungen der jüngeren Vergangenheit, in der eine zunehmende thematische Vielfalt im fiktionalen Erzählen zu erkennen war – mit Geschichten, die gesellschaftliche Bruchlinien, unterschiedliche Lebensrealitäten und Krisen mutig und differenziert aufgegriffen haben. 

Die Kommission Information & Kultur bemängelte Leerstellen bei zentralen Gegenwartsthemen. So fand die fortschreitende Klimakrise aus ihrer Sicht keine angemessene Bearbeitung. Angesichts des Ausmaßes der Krise und der globalen Bedeutung wirft dies Fragen nach der thematischen Schwerpunktsetzung auf. Darüber hinaus zeigte sich für sie ein Mangel an überzeugender, tiefgehender Berichterstattung und Auseinandersetzung mit der politischen Lage in den USA.  

Die Kommission Unterhaltung nominierte insgesamt zehn von 18 Produktionen, also nur gut die Hälfte der möglichen Nominierungen. Der oft fehlende Mut zu innovativen Formaten blieb auch für das Unterhaltungsjahr 2025 ein zentrales Thema in der Diskussion, ebenso wie mangelnde Diversität in den Produktionen. 

Obwohl die Kommission Kinder & Jugend begrüßt, wie vielschichtig Themen Raum gegeben wird, die für die junge Zielgruppen relevant sind, wurde kritisch beobachtet, dass aktuelle Krisen unterrepräsentiert waren und politische Formate auf Konfrontation statt auf Diskurs setzen. 

Dazu die Leiterin des Grimme-Preises, Lucia Eskes: „Die diesjährigen Nominierungen zeigen erneut eindrucksvoll die große Qualität vieler Produktionen, bieten aber nicht nur Anlass zur Anerkennung, sondern auch zur Diskussion darüber, welche Themen erzählt werden und welche derzeit zu wenig Raum erhalten – und auch um die Frage nach Sichtbarkeit und Teilhabe.“ 

Nochmal Grimme-Geschäftsführerin Uzunoğlu: „Es mangelt beispielsweiseweise an hochkarätigen Auseinandersetzungen mit dem Thema Krieg. Dabei muss uns allen klar sein: Für eine resiliente demokratische Gesellschaft braucht es nicht nur Vielfalt und Widerspruch, sondern auch den Mut, sich den drängenden Fragen offensiv und kritisch zu stellen.“ 

Ab dem 31. Januar kommen in Marl die Jurys zusammen, um über die Vergabe der 16 möglichen Grimme-Preise sowie des Preises der Marler Gruppe und des Preises der Studierendenjury zu entscheiden. Wer sich schließlich zu den Preisträger*innen des 62. Grimme-Preises zählen darf, wird im März bekanntgegeben.

Hier finden Sie eine Übersicht aller nominierten Produktionen.