62. Grimme-Preis 2026

Petra Kelly – Act Now!

(Bildersturm Filmproduktion/Kimmel & Metz Filmproduktion für rbb/BR/RB/ARTE)

 

Grimme-Preis an:

 

Doris Metz (Buch/Regie)

 

Erstausstrahlung: ARTE, Donnerstag, 20. November 2025, 20.15 Uhr

Sendelänge: 90 Minuten

 

Inhalt:

Bevor Petra Kelly im Jahr 1992 von ihrem damaligen Lebensgefährten Gert Bastian getötet wurde, war das zivilgesellschaftliche und politische Engagement der aus Bayern stammenden Grünen-Politikerin beispiellos. Anhand von umfassenden, teilweise auf Super 8 entstandenen Archivaufnahmen, die Kellys Hingabe an die Politik und ihren Glauben an die Möglichkeit zur Veränderung der Welt verdeutlichen, und ihre Ansichten in ihrer eigenen Stimme authentisch wiederzugeben vermögen, sowie durch die Hilfe von Interviews mit Weggefährt*innen wie Otto Schily und Lukas Beckmann oder der ehemaligen Büroleiterin Bastians webt Doris Metz in „Act Now!“ ein aktuelles, durch exklusive Gespräche mit Kellys Bruder John so emotionales wie beeindruckendes Portrait von Petra Kelly. Kellys von Erfahrungen aus ihrem Leben in den USA und als Campaignerin für Senator Robert F. Kennedy geprägter Werdegang zur Politikerin wird dabei ebenso verdeutlicht wie ihre Sonderstellung als Frau in einem von Männern dominierten Umfeld. Seltenes, bezeichnendes Dokumentarmaterial wie Kellys Besuch bei Erich Honecker in Ost-Berlin und ihre Zusammenarbeit mit ostdeutschen Politiker*innen und Menschenrechtler*innen findet ebenso Eingang in den Film wie die Dokumentation der möglichen Stasi-Verstrickungen Bastians.

 

Begründung:

Die so genannte „Affäre Kelly und Bastian“ – mittlerweile erinnern sich zu viele Menschen nur noch an den „Skandal“, den die Boulevardpresse aus einem angeblichen erweiterten Suizid konstruierte. Dabei steckt eine der leidenschaftlichsten, prägendsten und unermüdlichsten Politikerinnenkarrieren dahinter. Der Verdienst von Doris Metz‘ Film ist es, Petra Kellys Leben vor allem anhand von Kellys eigenen Taten, Ansichten, Ideen und Erfahrungen zu rekonstruieren. Es entsteht das Portrait einer selbstverständlichen Humanistin, die sich bis zur Erschöpfung für eine gerechtere Welt einsetzt, der – selbst aus einem privilegierten Umfeld stammend – die Diskriminierungserfahrungen unterschiedlichster marginalisierter Gruppen am Herzen lagen, die Umweltthemen, Atom- und Friedenspolitik länderübergreifend und die sich selbst als frühe Netzwerkerin verstand, und sich in einer einst noch mehr als heute von männlichen Sichtweisen und Gender-Verzerrungseffekten geprägten Umgebung mit Expertise und Elan durchzusetzen vermochte.

Doris Metz hält sich dabei von Spekulationen fern, und lässt auch die gendersensiblen Themen durch die Gesprächspartner*innen selbst ansprechen. Neben der Rechercheleistung, die teilweise selten gesehenes, relevantes Material geschickt in den Film montiert und integriert, und der thematisch angebrachten Sensibilität überzeugt vor allem die Vielstimmigkeit des Films. Zudem fielen der Jury die Zwischenräume der Erzählung auf, die Kellys eigene, kritische Haltung zu linken Theorien sichtbar machten, und ihr Dilemma verbildlichten, das letztlich zu ihrem Rückzug aus der Politik beitrugen. Die Jury sieht den Film überdies als eine wichtige Geschichtsstunde über die Entstehung der Partei „Die Grünen“ und ihre politischen Ziele bis heute. Dass Metz auch Luisa Neubauer als Gesprächspartnerin gewann, ist somit folgerichtig. Denn Petra Kellys Motive sind generationsübergreifend.

Der Regisseurin gelingt es mit „Petra Kelly – Act Now!“, eine besondere Politikerin und ihren – familiären und politischen - Hintergrund darzustellen, ohne ihre Protagonistin affirmativ weichzuzeichnen oder psychologisch übergriffige Schlussfolgerungen zu ziehen. Nebenbei präsentiert sie ein beeindruckendes Beispiel für Mut und die – in diesem Tagen mehr als je nötige – Zivilcourage.

 
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