(Violet Pictures/Real Film Berlin für ZDF neo/Apple TV+)
Preis der Studierendenjury an:
Samuel Jefferson (Stellvertretend für Buch)
Fabian Möhrke (Regie)
Alex Schaad (Regie)
Slavko Popadić (Stellvertretend für das Ensemble)
Haley Louise Jones (Stellvertretend für das Ensemble)
Tim Kuhn (Bildgestaltung)
Jieun Yi (Bildgestaltung)
Erstausstrahlung: Apple TV+, Mittwoch, 26. Februar 2025
Sendelänge: 8 x 45 Minuten
Inhalt:
Die junge Ärztin Dr. Zanna Parker (Haley Louise Jones) zieht nach Berlin, um dort im überfülltesten Krankenhaus in Neukölln, im KRANK, die Leitung der Notaufnahme zu übernehmen. Konfrontiert mit völligem Chaos, dauerhafter Überlastung und einem unterbesetzten Team, versucht sie, die Einnahmen des Krankenhauses zu verbessern und Ordnung herzustellen. Die Einführung neuer Regeln stößt allerdings auf Widerstand von Seiten des Notfallchirurgen Dr. Ben Weber (Slavko Popadić) und der Ärztin Dr. Emina Ertan (Şafak Şengül). Trotzdem versucht Dr. Parker, das Team zusammenzuführen, um einen arbeitstauglicheren Raum zu schaffen. Denn Ärzt*innen, Pflegekräfte und Notfallsanitäter*innen kämpfen täglich für die Leben hunderter Menschen. Inmitten eines dysfunktionalen Gesundheitssystems sind sie gezwungen, den harten Klinikalltag und dessen Einfluss auf ihre Psyche mit individuellen Schicksalen wie Drogensucht, Diskriminierung und eigenem Versagen zu vereinbaren.
Begründung:
Dauerbelastung, Versorgungsdruck, institutionelle Überforderung: „KRANK Berlin“ macht aus dem Krankenhaus keinen Schauplatz für Heldengesten, sondern einen Resonanzraum, in dem die Symptome eines chronisch überlasteten Gesundheitssystems sichtbar werden. Die Regisseure Fabian Möhrke und Alex Schaad eröffnen eine neue Perspektive, in der medizinische Notfälle nicht als spektakuläre Einzelfälle erzählt werden, sondern als Ausdruck eines Gesundheitswesens, das dauerhaft an seine Grenzen stößt.
In „KRANK Berlin“ erlebt das Publikum einen klinischen Alltag, geprägt von Personalmangel, Gewalt gegen Rettungskräfte, Suchterkrankungen sowie emotionale und moralische Belastungssituationen als ineinandergreifende Krisendynamik. Besonders eindrucksvoll gelingt den Autor*innen (stellvertretend Samuel Jefferson) ihre Figurenzeichnung. Ärzt*innen, Pflegekräfte und Notfallsanitäter*innen werden als vielschichtige Persönlichkeiten dargestellt, deren Entscheidungen gleichermaßen aus professioneller Routine, wie aus moralischen Grenzsituationen hervorgehen. Medizinisches Handeln erscheint als permanenter Aushandlungsprozess zwischen beruflicher Verantwortung, individuellen Belastungsgrenzen und institutionellen Zwängen. Im Vergleich zu klassischen Krankenhausserien bricht „KRANK Berlin“ bewusst mit etablierten Genre-Konventionen, indem die Serie auf heroische Überhöhungen und einfache Schuldzuweisungen verzichtet. Diese erzählerische Zurückhaltung erzeugt eine außergewöhnliche Glaubwürdigkeit und ermöglicht eine emotionale Nähe, die Zuschauer*innen nicht nur beobachten, sondern miterleben lässt. Die außerordentlich realistische Darstellung einer Großstadt wie in Berlin, die durch Mehrsprachigkeit und soziale Spannungen gekennzeichnet ist, trägt wesentlich zum Gesamteindruck bei.
Auch formal übersetzt die Serie den klinischen Ausnahmezustand in eine konsequent durchkomponierte audiovisuelle Gestaltung. Die bewegliche, teilweise radikale Kameraführung folgt Figuren durch enge Stationsflure, hält Gesichter, Gesten und Blicke aus und macht Stress körperlich erfahrbar. Durch differenzierte Rauminszenierungen und ein detailreiches Sounddesign wird eine immersive Wirkung von permanenter Dringlichkeit erzeugt. Set- und Kostümbild verstärken diese Authentizität und verankern die Erzählung überzeugend im urbanen Klinikalltag.
Das Krankenhaus Neukölln fungiert als präzise Gegenwartsdiagnose. Krankheit erscheint als gesellschaftliches Warnsignal – als Symptom struktureller Überlastung und sozialer Ungleichheit. „KRANK Berlin“ besticht daher durch ihre eindringliche Auseinandersetzung mit dem aktuellen Gesundheitswesen.
