62. Grimme-Preis 2026

Der talentierte Mr. F

(Neue Flimmer für MDR/ARD Kultur/BR/rbb/hr)

 

Grimme-Preis Spezial für die Protagonisten
und die Idee des Films an:

 

Moritz Henneberg

Julius Drost

Nikita Fedosik

 

Erstveröffentlichung: ARD Mediathek, Samstag, 27. September 2025, 0.00 Uhr

Sendelänge: 77 Minuten

 

Inhalt:

Die Dokumentation „Der talentierte Mr. F“ erzählt die außergewöhnliche Geschichte der beiden Filmstudenten Julius Drost und Moritz Henneberg, die über Jahre hinweg mit Kreativität, Ausdauer und akribischer Präzision einen Animationsfilm über das Leben eines kleinen Roboters entwickeln. Als sie ihr Werk auf YouTube veröffentlichen, ahnen sie nicht, dass es ihnen dort entwendet wird. Erst als ein Festival ihre Einreichung disqualifiziert, wird das Ausmaß sichtbar:

Der Film kursiert längst im Netz – unter anderem Titel, mit veränderten Credits, gefeiert als Werk eines US-amerikanischen Filmemachers. Statt in Ohnmacht zu verharren, entscheiden sich Moritz und Julius für die aktive Konfrontation. Aus Geschädigten werden Ermittler. Gemeinsam mit Nikita Fedosik entsteht die Idee sich filmisch auf die Suche nach dem Menschen zu machen, der sich mit ihrem Kunstwerk schmückt. Die Dokumentation begleitet sie auf ihrem Roadtrip von Berlin in die USA – getragen von quälenden Fragen, schlaflosen Nächten und der Ungewissheit, was sie am Ende der Reise erwartet. Als sie dem Dieb schließlich persönlich gegenüberstehen, nimmt die Geschichte eine Wendung, mit der niemand gerechnet hätte.

 

Begründung:

Julius Drost und Moritz Henneberg sind Animatoren, kreativ, akribisch, leise. Stunden, Tage, Jahre verbringen sie an ihren Computern und Schreibtischen, arbeiten im Hintergrund, damit ein kleiner Roboter zum Leben erweckt wird. Kunst. Kein Gesicht im Scheinwerferlicht, ohne Eitelkeit. Kostenfrei laden sie ihren Film im Netz hoch, damit ihn jeder sehen kann. Als ihnen schließlich die Urheberschaft an ihrem Werk dreist genommen wird, sind sie zunächst fassungslos.

Gemeinsam mit ihrem Kommilitonen und langjährigen Freund Nikita Fedosik entscheiden sie sich jedoch bewusst gegen eine öffentliche Eskalation oder vorschnelle Schuldzuweisungen. Stattdessen entwickeln sie die Idee der künstlerischen, reflektierten und dialogorientierten Aufarbeitung - in Form einer Dokumentation. Sie begeben sich auf eine ungewisse Reise, um dem Dieb persönlich in die Augen zu schauen, ihn zur Rede zu stellen, und sind schließlich sogar in der Lage, ihn ein wenig zu verstehen.

Dieser außergewöhnliche Umgang mit Verlust, Wut und Enttäuschung zeugt von bemerkenswerter Integrität. Julius Drost, Moritz Henneberg und Nikita Fedosik stehen in exemplarischer Weise für eine Haltung, die im gegenwärtigen Medienklima seltener geworden ist: künstlerische Exzellenz verbunden mit ethischer Klarheit. Gleichzeitig gehen sie mit ihrer Dokumentation weit über die Aufarbeitung eines persönlichen Unrechts hinaus: Sie machen digitalen Ideenklau, Urheberrecht und die Verletzlichkeit kreativer Arbeit international sichtbar und eröffnen den Diskurs über Autorschaft, Verantwortung und Fairness. Mit ihrer bewusst gewählten „gewaltfreien“ Herangehensweise erschaffen sie mit ihrem Film eine gesellschaftliche Relevanz mit besonderer Strahlkraft, weit über ein junges, social-media-affines Publikum hinaus. Sie zeigen, dass man auch in einer hochkompetitiven Branche Haltung bewahren kann – und dass genau darin wahre Stärke liegt.

 
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