44. Grimme-Preis 2008

Iris Berben

Foto: Harald Hoffmann
 

Iris Berben, 1950  im westfälischen Detmold geboren, wächst in Hamburg auf. Ob als sensible Kommissarin, Femme Fatale, verlassene Geliebte oder starke Kämpferin – die Schauspielerin Iris Berben hat sich in unzähligen Rollen ein Millionenpublikum erobert und gehört zu den wirklichen Stars in der deutschen Kino- und Fernsehlandschaft. Weil sie als vorlaut gilt, eckt sie während ihrer Schulzeit häufig an, fliegt von mehreren Internaten und verlässt die Schule schließlich ohne Abitur. Iris Berben stellt Fragen, die vielen in den 60er Jahren unbequem sind, u. a. nach der jüngeren deutschen Vergangenheit. Schon als Jugendliche beginnt sie, sich für Israel zu interessieren. Als 18-jährige reist sie erstmals in dieses Land, dem sie bis heute verbunden bleibt. 

Ihre Schauspielkarriere startet sie in Kurzfilmen, die bei den Oberhausener Kurzfilmtagen präsentiert werden und ihr ihre erste Kinorolle in „Detektive“ (1968) einbringen. Ihr Fernsehdebüt hat sie ein Jahr später mit „Brandstifter“ (ARD 1969). Iris Berben nimmt in London und Berlin Unterricht in Tanz, Sprache und Gesang. 1971 kommt ihr Sohn Oliver zur Welt, der später als erfolgreicher Filmproduzent eine wichtige Rolle auch in ihrem beruflichen Leben einnehmen wird. 

Nach mehreren Fernseh- und Kinoauftritten gelingt Iris Berben 1978 der große TV-Durchbruch. Zusammen mit Ingrid Steeger spielt sie „Zwei himmlische Töchter“ (ARD): die Nachtclubtänzerinnen Kiki und Chantal, die eine heruntergekommene Fluggesellschaft erben und versuchen, die Firma mit den absurdesten Aufträgen wieder in Schwung zu bringen. Regie führt „Klimbim“-Vater Michael Pfleghar. Comedy ist es auch, die Iris Berben 1985 endgültig zum Star macht: in der ARD-Reihe „Sketchup“ bringt sie an der Seite von Diether Krebs Millionen Fernsehzuschauer zum Lachen. Dabei stellt sie ihre Wandlungsfähigkeit und in zahllosen Masken auch eine Menge Mut zur Hässlichkeit unter Beweis. Mit der Adels-Saga „Das Erbe der Guldenburgs“ (ZDF 1986 – 90), einer der erfolgreichsten Serien der deutschen Fernsehgeschichte, kann sie ihre Popularität noch steigern. Zeitgleich arbeitet sie immer wieder mit renommierten Regisseuren wie Oliver Storz, Peter Patzak und Frank Beyer für Kino- und Fernsehproduktionen zusammen. Sie wirkt mit in Filmen wie „Beinahe Trinidad“ (ARD 1986), „Das Viereck“ (ARD 1986), „Ein naheliegender Mord“ (ZDF 1987), „Karambolage“ (ARD 1988), „St. Petri Schnee“ (ZDF 1990), „Cosimas Lexikon“ (1991), „Dornbergers Gäste“ (ARD 1991) und „Das große Fest“ (ZDF 1992). 

Der Film „Das Geheimnis des gelben Geparden“ (ZDF 1989) ist ihre erste Zusammenarbeit mit Regisseur Carlo Rola. Mit ihm und ihrem Sohn wird sie ein paar Jahre später ihre bekannteste Figur entwickeln: die Berliner Kommissarin „Rosa Roth“. Mutig, neugierig, manchmal ein bisschen kratzbürstig, aber auch sensibel ermittelt Rosa 1994 erstmals im ZDF und setzt damit Maßstäbe für alle TV-Ermittlerinnen, die nach ihr auf den Bildschirm kommen. Mehr als zwanzig Fälle durfte Rosa Roth bis heute lösen und ist auch weiterhin dem Verbrechen auf der Spur. 

Iris Berben lässt sich unterdessen nicht auf die von ihr geschaffene Krimifigur festlegen und feiert Erfolge in zahlreichen anderen Rollen, etwa in dem Kinderfilm „Rennschwein Rudi Rüssel“ (1994), dem Thriller „Der stille Herr Genardy“ (RTL 1996), in Doris Dörries „Bin ich schön?“ (1997), als „Zauberfrau“ (Sat.1 1998), in „Ein mörderischer Plan“ (ARD 2000), „Dienstreise – Was für eine Nacht“ (Sat.1 2001) oder „Wer liebt, hat Recht“ (ZDF 2001). Für Quotenrekorde sorgt Iris Berben mit den Dreiteilern „Die Patriarchin“ (ZDF 2004) und „Afrika, mon amour“ (ZDF 2006). Zuletzt spielt sie in hoch gelobten Produktionen wie „Silberhochzeit“ (ARD 2005), „Die Mauer – Berlin ´61“ (ARD 2005) und „Duell in der Nacht“ (ZDF 2007). In Heinrich Breloers „Die Buddenbrooks“ wird sie Ende dieses Jahres im Kino zu sehen sein. 

Für ihre Arbeit erhält Iris Berben zahlreiche Auszeichnungen, darunter zwei Goldene Kameras, zwei Bambis, die Goldene Europa und drei Romys sowie den Preis der Polizeigewerkschaft. Doch nicht nur ihre schauspielerische Leistung, auch ihr politisches Engagement wird geschätzt. In Lesungen wie „Mama, was ist Auschwitz?“, „Hitlers Tischgespräche“ oder aktuell „Manja“ setzt sie sich gegen Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit und für den Staat Israel ein. Dafür erhält Iris Berben den Scopus Award der Gesellschaft der Freunde der hebräischen Universität Jerusalem, den Leo-Baeck-Preis des Zentralrats der Juden in Deutschland und das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse.

 
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