58. Grimme-Preis 2022

Freitagnacht Jews

(Turbokultur für WDR)

 

Grimme-Preis an

 

Daniel Donskoy (Moderation/Buch)

Remigius Roskosch (Buch/Regie)

Martin Danisch (Produktion)

David Hadda (Produktion)

 

Erstausstrahlung/-veröffentlichung:
WDR, ab Freitag, 23. April 2021, 23.30 Uhr

Lauflänge: 8 x 30 Minuten

 

Inhalt

Gutes Essen und gute Gespräche – das ist die Idee von „Freitagnacht Jews“. Der Schauspieler und Musiker Daniel Donskoy lädt jüdische Menschen zu sich ins Studio ein. Er spricht mit ihnen über ihr Aufwachsen, ihren Blick auf die Gesellschaft, ihre Profession. Sie essen, erzählen und diskutieren miteinander. Die Zuschauenden sitzen sozusagen mit am Tisch und erfahren, was es heißt, heute in Deutschland jüdisch zu sein. In den acht Folgen präsentieren sich Gastgeber und Gäste als Mitglieder der jüdischen Community. Donskoy spricht mit Susan Sideropoulos und Mirna Funk über Jüdischsein und Mutterschaft. Oder er diskutiert mit der Wissenschaftlerin Lea Wohl von Haselberg und dem Regisseur Dani Levy über jüdische Perspektiven im Film.

 

Begründung der Jury

Das ganze Format zeugt von einer großen Liebe fürs Detail – und fürs Fernsehen. Zuallererst sieht es toll aus: das Setdesign, die Einspieler, das Essen. Toll auch der eigene Titelsong. Jede Folge beginnt mit einem Monolog von Moderator Daniel Donskoy. Für jede Folge bringt er eine These mit. Und an dieser Stelle zeigt sich bereits: Diese Sendung möchte sich ganz tief in den Diskurs graben. Die Fragen, die Donskoy sich, den Gästen und nicht zuletzt den Zuschauenden stellt, sind keine einfachen. Wie sehr hängt meine Identität vom Kontext ab, in dem ich mich bewege? Hat es die zweite Einwandergeneration vielleicht schwerer als die erste? Für wen wird Kunst gemacht? Die Macher:innen scheuen sich nicht vor Komplexität. Und deshalb ist die Sendung so gut.

Donskoy schafft eine intime Gesprächsatmosphäre. Die Gäste sind spannend, und auch wenn sich die Sendung durchaus ein bisschen mehr Zeit nehmen könnte und besonders durch die schnellen Schnitte in den Interviewpassagen manchmal etwas kurzatmig wirkt, ist „Freitagnacht Jews“ eine gelungene und im besten Sinne anregende Talkshow. Das liegt vor allem an Daniel Donskoy.

Er ist als Moderator eine Entdeckung und eines der größten Talente, die wir in den letzten Jahren im Fernsehen gesehen haben. Er hat eine starke Präsenz und einen ungewöhnlichen Moderationsstil, der in der Jury durchaus auch kontrovers diskutiert wurde.

Endlich eine Sendung, die die Vielfalt jüdischen Lebens in Deutschland ins Zentrum stellt. Eine Sendung, die souverän über Identitäten nachdenkt und streitet. Oft sind diese Debatten im öffentlich-rechtlichen Rundfunk bemüht und verkrampft. Mit welcher Lässigkeit hier über aktuelle Diskurse gesprochen wird und wie sie gleichzeitig immer wieder hinterfragt werden, ist herausragend und vor allem: zeitgemäß.

 
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