55. Grimme-Preis 2019

Spezial für das Team von Docupy

 

Grimme-Preis Spezial an das

Team von Docupy

 

für

den Dreiteiler der Sendereihe Die Story: "Ungleichland - Reichtum, Chancen, Macht" und das dazugehörige zukunftsweisende Online-Konzept. (btf für WDR)

 

Produktion: btf

Erstausstrahlung: Das Erste, Montag, 07.05.2018, 20.15 Uhr

Sendelänge: 44 Min.

 

Stab

Team: Nicole Kohnert, Nicole Ripperda, Andreas Spinrath, Julia Friedrichs, Nicolai Mehring, Michael Schmitt, Fabienne Hurst, Hannah Kloth, Eva Müller, Florian Böttger, Schiwa Schlei, Elisabeth Rassbach, Nathalie Bartel, Kai Holzkämper, Nora Nagel, Leonie Heling, Sara Lienemann, Matthias Gerding, Kevin Brüssel, Julian Schleef

Autoren: Julia Friedrichs, Leonie Heling, Fabienne Hurst, Sara Lienemann, Eva Müller, Nora Nagel, Michael Schmitt, Andreas Spinrath

Kamera: Nicolai Mehring, Johannes Obermaier, Fred Schirmer, Constanze Schmitt

Schnitt: Elisabeth Raßbach

Schnittassistenz: Florian Böttger, Christoph Cepok

Ton: Waldemar Bruch, Sascha Czycykowski

Tonbearbeitung: Kai Holzkämpfer, Jelena Kitanovic, Tom Vermaaten

Farbkorrektur: Fridolin Körner

Musik: Lorenz Rhode

Grafikdesign: Kai Bohrmann, Matthias Gerding, Florian Köhne, Jo Müller, Julian Schleef

Ausführende Produzentin: Eva Müller

Produzenten: Matthias Murmann, Philipp Käßbohrer

Produktionsleitung: Daniela Nickel, Viola Daniels

Redaktion: Nicole Kohnert (WDR), Nicole Ripperda (WDR), Schiwa Schlei (WDR)

 

Jurybegründung

Folgt man dem Psychologen Paul Piff, ist Ungleichheit das drängendste soziale Problem unserer Zeit. Ist die Spaltung in Die-da-oben und Die-da-unten nur das Mantra der Zukurzgekommenen, der Abgehängten, der nicht Leistungswilligen oder doch Realität? Die dreiteilige Dokumentation und das dazugehörige Online-Projekt schaut mit Hilfe und vor allem am Beispiel des Unternehmers Christoph Gröner, einem der größten deutschen Immobilienentwickler, auf die immer größer werdende Kluft zwischen Arm und Reich und kommt zu nur bedingt verwunderlichen, aber darum nicht weniger erschreckenden Ergebnissen. Angefangen bei Wohnung und Bildung bestimmt in Deutschland in nahezu allen wesentlichen Bereichen des sozialen und gesellschaftlichen Lebens das Geld die Möglichkeiten der Teilhabe daran und das Bewusstsein. Die Auswirkungen dieser Ungleichheit betreffen dabei nicht nur jeden Einzelnen, sondern letztlich das soziale Miteinander und das demokratische Gefüge insgesamt. Internationale Experten aus Wissenschaft, Forschung und Politik werden ebenso befragt wie die, um die es vor allem geht: die Menschen im Ungleichland Deutschland.
Das Team von Docupy hat sich auf instruktive Weise mit dem Thema auseinandergesetzt und es für den Zuschauenden aufbereitet. Es ist im Land herumgereist und hat Türen aufgemacht, die in der Regel verschlossen bleiben und Menschen zum Reden gebracht, die sonst öffentlich eher schweigen oder stumm bleiben. Dabei sind - durch Offenheit den Protagonist*innen gegenüber und souveränes Agieren auf der einen und kluge Auswahl, Kommentierung und Montage auf der anderen Seite - Porträts von Menschen und Situationen geglückt, die Dinge, Verhalten und Zusammenhänge erkennbar werden lassen, mitunter auch entlarven, ohne jedoch zu diffamieren und zu polemisieren. Das Ausschnitthafte und Exemplarische bleibt dabei ebenso erkennbar wie Verallgemeinerungen möglich sind. Dies gilt auch für die Expert*innen, die – klug eingebunden – erstaunlich unprätentiös und klar kommentieren. Komplexe Sachverhalte und Vorgänge werden so verständlich gemacht, ohne zu simplifizieren und auf einfache Schwarzweiß-Zuordnungen zu reduzieren. Beeindruckend ist die Konzentration über alle drei Teile hindurch: Gegenstand, Fragestellung und Personen betreffend.
Das zugehörige Online-Projekt lieferte nicht nur im Vorfeld wichtige Impulse für die Arbeit. Lange vor der Fernsehausstrahlung wurden Rechercheergebnisse veröffentlicht, kurze Statements aus verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen eingestellt, Umfragen durchgeführt, deren Ergebnisse in die Dokumentation einfließen konnten. Parallel zur Ausstrahlung wurden Exkurse zu Einzelaspekten bereitgestellt. Das Online-Projekt vergrößerte so den Blickwinkel, vermehrte Perspektiven, diskutierte Fragestellungen und Lösungsansätze und schuf damit Räume für die Teilnahme am gesellschaftlichen Diskurs. Es agiert damit für die Fernsehdokumentation und parallel zu ihr und erweitert deren Möglichkeiten weit über das Fernsehen hinaus.
Ohne alarmistisch zu sein, schlägt das Projekt Alarm. Ohne Schaum vor dem Mund wächst das Unbehagen und weicht der Wut. Und selten sind im deutschen Fernsehen derartige Einblicke in die Hochfinanzwelt der Privatbanken und Family Offices gelungen. Das Poesiealbum der Globalisierung kann für einige monströse Einträge dankbar sein.
Analyse und Aufklärung im besten Sinn. Die Jury dankt und gratuliert.

 
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