51. Grimme-Preis 2015

Männertreu (HR)

 

PreisträgerInnen

Thea Dorn (Buch)
Hermine Huntgeburth (Regie)
Matthias Brandt (Darstellung)
Suzanne von Borsody (Darstellung)
Maxim Mehmet (Darstellung)

Inhalt

Der Frankfurter Zeitungsverleger Georg Sahl ist ein Womanizer. Seine Affären sind ungezählt. Plötzlich bekommt er über die Frankfurter Oberbürgermeisterin das Angebot unterbreitet, Bundespräsident zu werden. Seine Ehefrau Franziska, eine erfolgreiche Scheidungsanwältin, ist zunächst nicht sehr glücklich darüber, bald als "First Lady" nur noch zu repräsentieren.
Und auch Georgs jungen Geliebten Nina, Volontärin bei seiner Zeitung, den "Frankfurter Nachrichten", wird mit einem Mal klar, dass sich nun einiges ändern wird. Als Georg in eine TV-Talkshow nach Hamburg eingeladen wird, reist ihm Nina bis ins Hotel hinterher - wild entschlossen, Georg an sich zu binden. Nach einem heftigen Streit im Hotelzimmer rennt sie auf die Straße, wird von einem Auto erfasst und schwer verletzt.
Aufgelöst und vollkommen überfordert mit dieser Situation ruft Georg seine Frau an: Sie macht sich sofort auf den Weg, um zu retten, was noch zu retten ist. Trotzdem wird am nächsten Morgen in den Online-Ausgaben der Tageszeitungen ein Zusammenhang hergestellt zwischen Georgs Anwesenheit in dem Hamburger Hotel und Ninas Unfall davor. Georg muss sich der „Meute“ stellen, von der er sich erklärtermaßen niemals hetzen lassen wollte.

Stabliste

Buch: Thea Dorn
Regie: Hermine Huntgeburth
Kamera: Sebastian Edschmid
Schnitt: Silke Franken
Ton: Katja Schenk
Musik: Biber Gullatz, Andreas Schäfer
Darsteller: Matthias Brandt, Suzanne von Borsody, Maxim Mehmet, Lisa Hagmeister, Peri Baumeister, Claudia Michelsen, Margarita Broich, Ronald Kukulies, Philipp Hochmair
Produktion: HR
Redaktion: Lili Kobbe
Erstausstrahlung: Mittwoch, 30.07.2014, 20.15 Uhr, Das Erste
Sendelänge: 90 min.

Begründung der Jury

"Männertreu" ist ein Film über Macht. Er lässt die heißkalte Temperatur von politischer, medialer und sexueller Macht fühlbar werden und umkreist damit ein Thema, das in den vergangenen Jahren einige der besten internationalen Fernsehproduktionen geprägt hat. Im Zentrum steht mit dem Zeitungsverleger Georg Sahl ein Protagonist, der nicht zur Identifikation einlädt, aber auch kein einfach zu verdammender Bösewicht ist. Sahl, fein nuanciert gespielt von Matthias Brandt, ist ein Mann, der sich mit spielerischer Leichtigkeit einen stetigen Machtzuwachs sichert – beruflich wie privat.
Partnerin und Widerpart zugleich ist seine Ehefrau Franziska. Suzanne von Borsody gibt dieser Figur, die oft mehr ausdrückt, als sie mit Worten sagt, ebenso viel Kraft wie Verletzlichkeit. Die Szenen einer technokratischen Ehe, deren Höhepunkt der gemeinsame Einzug ins Berliner Schloss Bellevue sein soll, gehören zum Kältesten und Besten, was man in dieser Hinsicht im deutschen Fernsehen bewundern durfte. Maxim Mehmet als beruflich erfolgloser Sohn, der permanent vom Vater gedemütigt wird, bereichert den Film mit seinem intensiven Spiel, das aus einer Nebenrolle fast eine Hauptrolle macht.
Das Drehbuch von Thea Dorn lässt das Drama der Familie mit der Schnittstelle von Politik, Medien und Spin-Doctoring interagieren. Ein gewagter Hybrid, der auch dank Hermine Huntgeburths stilsicherer Inszenierung gelingt, die alle Fäden mit beeindruckender Souveränität in der Hand hält. Ausgeklügelte Farbdramaturgie, punktgenaue Kameraarbeit und überlegter Schnitt fließen hier effektsicher ineinander. Dass der Film auch satirische Elemente einbaut, wenn es um die "Journalistenmeute" und die omnipräsenten Krisen-PR-Agenten geht, macht ihn noch vielschichtiger.
"Männertreu" mutet den Zuschauern zahlreiche Ambivalenzen zu und lässt sich nicht auf eine simple Botschaft reduzieren. Der Film schließt folgerichtig auch nicht mit dem unvermeidlichen Fall Georg Sahls. Er wagt stattdessen ein provozierend offenes Ende, das zum Weiterdenken (und Weiterstreiten) anregt.

 
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