51. Grimme-Preis 2015

Camp 14 - Total Control Zone (WDR/ BR/ ARTE)

 

Preisträger

Marc Wiese (Buch/Regie)

Inhalt

Shin Dong-hyuk ist ein einem nordkoreanischen Erziehungslager geboren und aufgewachsen. Zwangsarbeit gehörte ebenso zu seinem Alltag wie Folter und Hinrichtung. Erst mit 23 Jahren gelang ihm durch einen Zufall die Flucht. Der Film folgt den Stationen dieses dramatischen Lebenswegs, in langen Interviews holt Shin seine Erinnerungen hervor. Animationen visualisieren sie. Auch Täter sagen vor der Kamera aus und bestätigen das Geschehen in den Straflagern. Einer der Täter, ein Kommandant der Wärter von Camp 14, hat auch heimlich gedreht und die Aufnahmen für den Film zur Verfügung gestellt.
Shin Dong-hyuk lebt heute in Südkorea und kann das festgefügte Leben im Lager dennoch nicht vergessen.

Stabliste

Buch: Marc Wiese
Regie: Marc Wiese
Kamera: Jörg Adams
Schnitt: Jean-Marc Lesguillons
Ton: Florian Kaltenegger, Karl Atteln

Animation: Ali Soozandeh
Produktion: Engstfeld Film, BR, WDR, ARTE
Redaktion: Sabine Rollberg (WDR/ARTE), Christian Baudissin (BR)
Erstausstrahlung: Mittwoch, 05.03.2014, 20.15 Uhr, arte
Sendelänge: 101min

Begründung der Jury

Marc Wiese erzählt die Geschichte des ehemaligen Lagerinsassen Shin Dong-hyuk, dieses seelisch und körperlich versehrten Mannes, auf eindringliche Weise. Es gibt Momente in diesem Film, wo das Unsagbare auf unerhörte Art Raum greift und nicht nur der Protagonist mit seinen Gedanken und Erinnerungen allein ist. Das sind dichte und sprachlos machende Szenen. Es gelingt dem Autor auch – und das ist eine wichtige Rechercheleistung - zwei Täter vor die Kamera zu bekommen, ehemalige Wärter, die inzwischen auch in Südkorea leben. Sie schildern nicht nur das Leben im Lager aus ihrer Sicht und das menschenverachtende Denksystem, dem sie unterlagen. Sie beglaubigen so auch die eigentlich unglaubliche Geschichte von Shin Dong-hyuk. 
Besonders eindringlich ist „Camp 14“ wegen der Lösung, die Mark Wiese für die Beschreibung des Lebens im Lager gefunden hat. Er zeigt die erinnerten Szenen aus dem Arbeitslager in animierten Bildern, die der Kölner Art-Designer Ali Soozandeh entwickelt hat. Karge Zeichnungen, Bleistift, Kohle, graue, düstere Atmosphäre, knappe szenische Auflösungen der grauenhaften Geschichten. Spärliche, aber eindringliche Mittel. Wenn die Folterer sich an ihre Arbeit begeben, zeigt ein aufsteigender Zigarettenrauchfaden, dass sie es sich dabei grade gemütlich machen. Manche Zeichnungen wiederum beschreiben wie Comics eine Szene aus wechselnden Perspektiven. Mit „Camp 14“ erzählt Marc Wiese nicht nur die unerhörte Geschichte seines Protagonisten, er holt auch ein Thema in die Öffentlichkeit, das bisher weitgehend unbekannt geblieben ist: die systematischen gravierenden Menschenrechtsverletzungen in Nordkorea. 
Über sein Leben hat Shindon-hyuk auch in einem Buch berichtet. Mitte Januar 2015 sind Informationen bekannt geworden, wonach er Teile seines dortigen Berichts widerrufen, Erinnerungen korrigiert und sich für seine Falschinformationen entschuldigt hat. Die Jury hat nach ihren Möglichkeiten selbst recherchiert und ist zum Ergebnis gekommen, dass diese Informationen den Kern des Films nicht tangieren und dass der Autor mit seiner Recherche über die Täter die nötige Sorgfalt hat walten lassen. Im Übrigen hat das nordkoreanische Regime mit seinen Attacken gegen den Film gerade bestätigt, was es bisher abstritt: die Existenz der Straflager.

 
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