49. Grimme-Preis 2013

Add a friend (TNT Serie)

 

PreisträgerInnen

Anke Greifeneder (Redaktion/Produktion) 
Quirin Berg (Produktion)
Tobi Baumann (Regie)
Sebastian Wehlings (Buch)
Christian Lyra (Buch) 
Produktion: Wiedemann & Berg Film 
Erstausstrahlung: TNT Serie, Mittwoch, 19.09.2012, 20:15 Uhr
Sendelänge: je 25’

Inhalt

Der junge Fotograf Felix erwacht im Krankenhaus, übel zugerichtet mit zahlreichen Brüchen und Verletzungen. Er wurde auf der Straße angefahren. Vom Täter fehlt jede Spur. Der Arzt prognostiziert Felix einen längeren Aufenthalt. Durch den Unfall ans Bett gefesselt, erhält er von seinem Freund Tom einen Laptop, um sich vom tristen Klinikalltag abzulenken. Mit dem Computer nimmt Felix am Leben außerhalb seiner Krankenstation im abgelegenen Murnau teil. Per Mausklick versucht er, sein Leben zu bestreiten: Online berät Felix seinen spielsüchtigen Freund und Investment Banker Tom, einen Zocker, der Felix in seine dubiosen Geschäfte verwickelt. In seiner durch Gipsverbände und Schienen fixierten Lebenssituation entdeckt Felix, dass seine auf Mallorca lebenden Eltern online auch sehr aktiv sind und versucht aus der Ferne die Ehe der beiden zusammenzuhalten. Als Felix beim Surfen im Netz auch noch seine alte Jugendliebe Julia wieder findet, greift sein Freund Tom entschlossen ein: Statt sich Gedanken über die verflossene Beziehung zu machen, empfiehlt er Felix, alle Aufmerksamkeit auf die geheimnisvolle neue Online-Bekanntschaft Vanessa zu lenken. Auch Felix Mutter macht sich Sorgen, als sie von dem Kontakt zwischen ihrem Sohn und dessen alter Liebe Julia erfährt. Denn der Liebeskummer hat Felix damals beinahe in den Selbstmord getrieben. Soll Felix Julia nun als Freundin „adden“ oder begibt er sich damit auf einen neuen Leidensweg? Das Online-Leben hat seine Tücken, und Felix begibt sich immer tiefer in das Abenteuer der Sozialen Netzwerke.

Stab

Produktion: Wiedemann & Berg Film
Federführender Sender: TNT Serie
Buch: Christian Lyra, Sebastian Wehlings
Regie: Tobi Baumann
Kamera: Gerhard Schirlo
Schnitt: Martin Wolf, Stefen Schmidt
Ton: Thorsten Bolzé
Musik: Tobi Kuhn, Lorenz Dangel
Darstellung: Ken Duken, Friedrich Mücke, Friederike Kempter, Emilia Schüle, Gisela Schneeberger, Dietrich Hollinderbäumer, Sierk Radzei, Martin Brambach, Ralph Herforth u.a.
Redaktion: Anke Greifeneder

Jurybegründung

Der Fotograf Felix erwacht im Krankenhaus, er ist überfahren worden. Sein bester Freund, der Investmentbanker Tom, würde ihn gerne besuchen, natürlich, aber Zeit ist Geld, und das Business schläft nie. Tom schickt Felix einen Laptop ans Krankenbett. Tom stöpselt den Stick ein - und „Add a Friend“ kann beginnen.

Es gibt nur zwei Schauplätze, das Krankenzimmer von Felix und das Büro von Tom. Beide kommunizieren über das Social Web mit der Familie, mit den Eltern, Geschäftspartnern, Bekannten, vielleicht mit einer neuen Beziehung. Anke Greifeneder, Programmchefin der Unterhaltungssparte beim Pay-TV-Sender TNT, und Quirin Berg von der Wiedemann & Berg Televisions GmbH hatten die Idee für „Add a Friend“, sie haben die Dramedy konzipiert und entwickelt. TV goes online? Hier wird’s wahr: Aus dem „Fenster zum Hof“ wird die Drehtür zur Umwelt.

„Add a Friend“ schaut den beiden Protagonisten permanent über die Schulter. Wenn Ken Duken als mehr sensibler Fotograf Felix und Friedrich Mücke als schneidiger Banker online kommunizieren, schauen sie in die Webcam und damit direkt dem Zuschauer in die Augen. Mehr Publikumsbindung geht nicht. Die Tücke des digitalen Objekts korrespondiert mit den Tücken der bedienenden Subjekte. Was gesagt, was geschrieben, was geschickt wird, das ist mal wahr und mal elektronische Camouflage einer kleinen bis großen Lüge.

„Add a Friend“ erzählt mehr im lakonischen Ton als mit strengem Gestus von den Strategien, vom Alltag und von den kleinen Schicksalen der Digital Natives. Und berichtet, wie die Vernetzten im und mit dem Netz leben, lieben und leiden, leben, lieben und leiden lassen. Totus mundus agit, stand über der Bühne des größten Menschenkenners William Shakespeare. Die ganze Welt spielt, damals offline, heute online.

Duken und Mücke, aber auch Frederike Kempter, Emilia Schüle, Gisela Schneeberger und Dietrich Hollinderbäumer agieren so selbstverständlich, als hätten sie immer schon ihre Netzhaut zu Markte getragen. Das Ensemble von „Add a Friend“, die Autoren Christian Lyra und Sebastian Wehlings plus Regisseur Tobi Baumann offenbaren und unterwerfen sich dem magischen Auge des Video-Chats. Und die nächste Drehung ist nur einen Mausklick entfernt.

„Add a Friend“ ist in seinem Grundsatz, dem Setting und in seiner Produktionsweise neues, sprich innovatives Fernsehen. Von einem sinnstiftenden, tragfähigen Konzept aus wird ohne Anstrengung ein höchst aktuelles Thema behandelt. Fernsehen auf der Höhe der Zeit. Oder: Vorsprung durch Technik.

 
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