48. Grimme-Preis 2012

Dreileben - Komm mir nicht nach (ARD/Degeto)

 

PreisträgerInnen

Dominik Graf
Christoph Hochhäusler
Christian Petzold

für die Idee, Konzeption und Umsetzung des Formats

Dreileben (ARD/BR/Degeto/WDR)

Produktion: Schramm Film Koerner & Weber, Burkert Bareiss Development/tv60film, Heimatfilm

Inhalt

Der verurteilte Sexualstraftäter Frank Molesch ist auf der Flucht: In dem sonst sehr verschlafenen Ort Dreileben herrscht plötzlich wilde Aufruhr. Die Großfahndung nach dem Triebtäter läuft auf Hochtouren, doch seine Spur verläuft sich in einem undurchsichtigen Waldgebiet. „Etwas Besseres als den Tod“, „Komm mir nicht nach“ und „Eine Minute Dunkel“ sind drei Geschichten, die sich in der aufwändigen Suche nach dem Entflohenen, erzählerisch überschneiden.

Stab

Dreileben – Eine Minute Dunkel (ARD/WDR)

Produktion: Heimatfilm

Federführender Sender: WDR

Regie: Christoph Hochhäusler

Buch: Christoph Hochhäusler, Peer Klehmet

Kamera: Reinhold Vorschneider

Schnitt: Stefan Stabenow

Ton: Michael Busch

Musik: Bert Wrede

Darstellung: Stefan Kurt, Eberhard Kirchberg, Timo Jacobs, Imogen Kogge, Joan Pascu, Luna Mijovic

Redaktion: Gebhard Henke, Frank Tönsmann

Erstausstrahlung: Das Erste, Montag, 29.08.11, 23.30 Uhr

Sendelänge: 90 Min.

Dreileben – Etwas Besseres als den Tod (ARD/BR)

Produktion: Schramm Film Koerner & Weber im Auftrag des Bayerischen Rundfunks

Federführender Sender: BR

Buch/Regie: Christian Petzold

Kamera: Hans Fromm

Ton: Andreas Mücke-Niesytka

Musik: Stefan Will

Darstellung: Jacob Matschenz, Luna Mijovic, Vijessna Ferkic, Rainer Bock, Stefan Kurt, Konstantin Frolov, u.a.

Redaktion: Bettina Reitz (BR),

Erstausstrahlung: Das Erste, Montag, 29.08.11, 20.15 Uhr

Sendelänge: 86‘55‘‘

Dreileben - Komm mir nicht nach (ARD/Degeto)

Produktion: Burkert Bareiss Development/tv60film (Produzenten: Gloria Burkert, Andreas Bareiss, Sven Burgemeister) im Auftrag der ARD Degeto

Federführender Sender: ARD

Buch: Markus Busch, Dominik Graf

Regie: Dominik Graf 

Kamera: Michael Wiesweg und Hendrik A. Kley

Schnitt: Claudia Wolscht

Komposition: Sven Rossenbach, Florian van Volxem

Ton: Gunnar Voigt

Musik: Sven Rossenbach und Florian van Volxem

Darstellung: Jeanette Hain, Susanne Wolff, Mišel Mati?evi?, Lisa Kreuzer, Rüdiger Vogler, Frank Kessler, Stefan Kurt

Redaktion: Jörn Klamroth (ARD Degeto)

Erstausstrahlung: Das Erste, Montag, 29.08.11, 21.45 Uhr

Sendelänge: 90 Min.

Jurybegründung

Ein verurteilter Sexualverbrecher –Molesch -- ist ausgebrochen und streift durch den Wald. Das ist der Stoff, der die Teile der Filmtrilogie „Dreileben“ verbindet. Nicht mehr als ein Fetzen oder Brocken. Keine hinter den drei Filmen als rund und komplett vorauszusetzende Geschichte, die von den Regisseuren Christian Petzold, Dominik Graf und Christoph Hochhäusler bloß in drei Varianten nacherzählt würde.

Dreileben: das ist ein erfundenes Städtchen mitten in Deutschland, vom Wald eingeschlossen, im Thüringer Wintersportgebiet. Die Filme spielen im Sommer, einem unspektakulären, frei von Politik oder Weltsportereignissen, so dass vermischte Nachrichten die Menschen in Atem halten.

Wilhelm Raabe erzählt in seinem Roman „Horacker“ davon, wie ein Dorf durch die Nachricht, der Insasse einer Fürsorgeanstalt sei entlaufen, in Angst und Schrecken versetzt wird. Der Sittlichkeitsverbrecher dort: ein Produkt der kollektiven Phantasie. Auch Petzold, Graf und Hochhäusler demonstrieren die Produktivität des Gerüchts. Die Sage von Molesch bringt Geschichten hervor. Wie der sozialkritische Romancier spielen die Filmemacher aber auch mit idyllischen Szenen einer unerschütterlichen bürgerlichen Welt. Dieses Nebeneinander ist erst recht unheimlich.

In Petzolds „Etwas Besseres als den Tod“ sind die Polizeisirenen das Hintergrundgeräusch für die tragische Geschichte zweier junger Verliebter. Petzold zeigt ein Krankenhaus als Institution, die funktioniert, indem sie sich von Störungen nicht irritieren lässt. Die Hauptfigur von Grafs „Komm mir nicht nach“ ist die Polizeipsychologin, die herbeigeholt wird, um ein Profil von Molesch zu erstellen, und sich unversehens in einen Rohmer-Film versetzt findet. Durch das Palaver zieht sich, wie erst am Ende offenbar wird, der Faden einer Intrige. „Eine Minute Dunkel“ von Hochhäusler wiederum ist aus der Perspektive des flüchtigen Molesch erzählt, der seine Geschichte nicht erzählen kann, denn wer würde ihm glauben?: eine stumme Paraderolle für Stefan Kurt.

Die Idee zu „Dreileben“ entstand aus einem Briefwechsel, in dem Graf, Petzold und Hochhäusler über den Purismus des Autorenkinos und das schmutzige Erzählen im Genrefilm debattierten. Ihr Gemeinschaftswerk harmonisiert die Perspektiven nicht, ihre drei Geschichten berühren sich nur punktuell. Gerade deshalb war die ARD-Programmentscheidung wichtig und richtig, die Trilogie auch an einem Abend zu zeigen. Das Ensemble der Leistungen machte den 29. August 2011 zu einem besonderen Tag für das deutsche Fernsehen.

 
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