46. Grimme-Preis 2010

Willi wills wissen – Wie macht der Künstler Kunst? (BR)

 

Der Sonderpreis des Landes NRW wird vergeben an

Helmar Weitzel (Reporter/Autor)

Stab

Produktion: Megaherz, Franz X. Gernstl, Fidelis Mager

Regie: Arne Sinnwell

Kamera: Stefan Schindler

Schnitt: Suzie Giebler     

Ton: Stefan Ravasz, Harald Vonend

Musik: Dieter Holesch, Ecco Meineke

Reporter: Helmar Willi Weitzel

Redaktion: Birgitta Kaßeckert, Andreas M. Reinhard

Inhalt

Wie macht der Künstler eigentlich Kunst? Und wieso malt ein Maler Porträts, wo es doch ganz tolle Fotoapparate gibt? Willi wills wissen, und deshalb fragt er nach bei Leuten, die sich damit auskennen. Er erfährt, dass es bei einem Porträt um mehr geht. Die Kunst hat ihre eigene Sprache, sie kann die Fantasie anregen und Gefühle ausdrücken. Vielleicht erklärt man das besser mit abstrakter Malerei... da erkennt man ja erstmal nichts als Farben und Formen. Willi wird zu seinem eigenen Pinsel und rollt sich über eine bunt gesprenkelte Leinwand. Vielleicht landet dieses Bild ja auch mal in einer Galerie, so wie die Skulptur einer dicken Frau. Nur seltsam, dass in den Verkaufsräumen so wenig herumsteht. Aber das ist hier ja kein Supermarkt, lernt Willi, Kunst muss wirken, und außerdem bringt die Skulptur fast 300.000 Euro. Sie ist nämlich von Botero. Je bekannter ein Künstler ist, desto teurer sind seine Werke. In einem Auktionshaus wird solche Kunst manchmal versteigert.

Willi hat schnell begriffen, wie das funktioniert und darf sogar ein eigenes Bild versteigern lassen. Er hat nämlich den größten Mann der Welt gemalt. Viel bekommt er dafür nicht, aber er hat viel gelernt: wie man Farben mischt, ein echtes von einem falschen Kunstwerk unterscheidet und dass Kunst manchmal so außergewöhnlich ist wie 100 Riesen-Plastikblumen auf einem Gletscher in Grönland.

Jurybegründung

„Postum“ wäre in diesem Fall zum Glück der völlig falsche Begriff, denn der Preisträger lebt ja noch. Aber da Willi Weitzel kürzlich seinen (viele hoffen: nur vorübergehenden) Abschied vom Kinderfernsehen verkündet hat, bekommt der Sonderpreis Kultur automatisch auch einen retrospektiven Charakter. Konkret wird Weitzel für die Ausgabe „Wie macht der Künstler Kunst?“ aus der BR-Reihe „Willi wills wissen“ ausgezeichnet; aber er darf die Ehrung durchaus auch als Dank für seine in insgesamt 180 Folgen unter Beweis gestellte Wissbegierde verstehen.

Weitzel hat nicht nur Kinder, sondern auch Eltern durch Unbefangenheit und Natürlichkeit beeindruckt. Seine Authentizität war die Basis für den Erfolg: Man hat ihm immer abgenommen, dass sein Wissensdurst nicht bloß gespielt war, wenn er etwa bei Feuerwehr und Müllabfuhr hinter die Kulissen schaute, sich unter Obdachlose und Behinderte mischte oder wenn wissen wollte, was es denn mit dem Tod auf sich hat. Weitzel war nie bloß dabei, sondern stets auch mittendrin.

Ein wichtiger Bestandteil von Weitzels Erfolgsgeheimnis ist die Fähigkeit, seine Fragen zwar mit Respekt, aber ohne jede Berührungsangst vorzubringen. Dank einer sorgfältigen Auswahl seiner Partner vor der Kamera sind auf diese Weise unzählige herzerfrischende Begegnungen zustande gekommen. So wie jetzt, wo’s um Künstler und Kunst geht – für viele ja fast Sakrales. Ohne Scheu macht Willi gemeinsam mit Milan Mihajlovic abstrakte Kunst, darf in einer Galerie eine wertvolle Skulptur ins rechte Licht rücken und bei einer Auktion mit anpacken. Nebenbei erfährt man, dass Kunst auch unkontrolliert entstehen kann, auch, was Galerien von Museen unterscheidet und dazu, warum Gemälde so wertvoll werden können. Gerade dieser vorbildlich kindgerechten Kombination von Theorie und Praxis verdankt „Willi wills wissen“ seine herausragende Rolle im Kinderfernsehen. Der erfrischend unkomplizierte Umgang mit dem Thema Kunst animiert zudem dazu, selbst zu den Malfarben zu greifen.

Mit dem Preis möchte die Jury auch das Engagement der Redaktion Kinderfernsehen beim Bayerischen Rundfunk sowie der Produktionsfirma Megaherz würdigen. Besondere Anerkennung gebührt dabei Petra Schäfer, der Producerin der Reihe, sowie Arne Sinnwell, dem Regisseur der ausgezeichneten Folge.

 
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