46. Grimme-Preis 2010

“heute-show“ (ZDF)

 

Adolf-Grimme-Preis an

Morten Kühne (Chefautor)

David Flasch (Producer/Autor)

Oliver Welke (Moderation)

Martina Hill (stellv. für das Darstellerteam)

Stab

Produktion: Prime Productions, Georg Hirschberg

Producer/Autor: David Flasch 

Chef-Autor: Morten Kühne

Autoren: Mickey Beisenherz, Björn Mannel, Jörg Uebber, Markus Schafitel, Thomas Rogel

Regie: Ladislaus Kiraly

Mitwirkende: Oliver Welke, Christian Ehring, Martina Hill, Dietrich Hollinderbäumer, Martin Sonneborn, Olaf Schubert u.a.

Redaktion: Stephan Denzer

Erstausstrahlung: ab Dienstag 26.5.2009, 23.00 h

Sendelänge: je 30’

Inhalt

Nichts ist irrsinniger als die Realität im politischen Deutschland – z. B. bei der „Partei der Besserwisser und Noch-Besser-Verdiener“, kurz FDP. So weigert sich Parteichef Guido Westerwelle, englische Fragen zu verstehen oder sie gar zu beantworten. Rainer Brüderle spricht dagegen nicht mal Deutsch, wie Untertitel belegen. Die „heute-show“ wird im gesamten Parteienspektrum fündig, wenn es um kuriose Begebenheiten geht. So erklärt Kanzlerin Merkel den Krisenverlauf mit der Form einer Sitzbadewanne und die SPD hatte ihren größten Moment, als Struck vor eine geschlossene Glastür prallte.

„heute-show“-Anchorman Oliver Welke moderiert sich durch eine Vielzahl von rhetorischen Ausrutschern und Peinlichkeiten, die so im deutschen Fernsehen zu sehen waren. Ihm zur Seite steht ein Team von Reportern innerhalb und außerhalb des Studios: die chronisch überdrehte Statistik-Expertin Tina Hausten, der zynische Krisenreporter Ulrich von Heesen oder der Spezialist für unterschiedliche Fachfragen, Christian Ehring. Olaf Schubert verwirrt seine Gesprächspartner in absurden Interviews, und Martin Sonneborn entlarvt in seinen Reportagen das wahre Gesicht der Republik, indem er in Ostdeutschland versucht, Feiern zum 60. Geburtstag des Grundgesetzes zu befehlen, Chinesen auf der Buchmesse nach Foltergewohnheiten befragt oder beim Bund der Vertriebenen die Fluchtwege kontrolliert... es ist eben nichts irrsinniger als die Realität.

Jurybegründung

Wenn Ina Müller in die Hafenkneipe „Zum Schellfischposten“ einlädt, dann ist das nicht unähnlich dem Erlebnis, wenn im Herbst der Sturm über Hamburg zieht. Dann pfeift und bläst es, zieht und zerrt an allem, was nicht niet- und nagelfest ist. Da ist man froh, ein warmes, trockenes Plätzchen zu haben, von dem aus man dem Toben und Treiben zuschauen kann. Kurz: Faszinierend ist es schon, was sich da abspielt am Hamburger Fischmarkt. Im Herbst und, unabhängig von den Jahreszeiten, im „Schellfischposten“.

Wie ein Naturschauspiel schaut man auch „Inas Nacht“ mit Staunen an. Und sieht eine Frau, die melancholische Töne ebenso anzuschlagen versteht, wie sie laut krachend für Stimmung sorgt. Wobei sie sich vornehmlich für Letzteres entscheidet – in überzeugender Manier. Inas Nacht“ ist ein überraschendes Format. Es braucht nicht mehr als eine Hafenkneipe, auf dessen Bänken gerade mal ein Dutzend Leute Platz finden, einen Shanty-Chor, eine kleine Band, den ein oder anderen mutigen Gast und eine Gastgeberin, die „Singen, Sabbeln und Saufen“ kann (Selbtsbeschreibung).

Prominente, die zu „Inas Nacht“ kommen, müssen sich auf einiges gefasst machen. Darauf, Singen und Tanzen zu müssen, in Spielzeug-Instrumente zu blasen oder auf dem Tresen Golf zu spielen. Auch darauf, ein Bier nach dem anderen zu kippen und in ein Gespräch verwickelt zu werden, in dessen Verlauf das offizielle Promi-Image zur Makulatur wird. Als wäre das nicht des Risikos zur Entblödung genug, müssen die Gäste auch noch den Alt-Herren-Shanty-Chor in Kauf nehmen, der auf der Straße stehend durchs offene Fenster sein Lied anstimmt, wenn ein Witz besonders gut war. Oder besonders schlecht.

Aber Ina Müller führt ihre Gäste aber nicht vor. Im Gegenteil. Sie nimmt sie mit in ihre Welt aus Musik und offenen Gedanken. Wenn sie mit ihnen singt oder in ihrer respektfreien, immer aber charmanten Art etwa Hugo-Egon Balder fragt: „Was war immer schlimmer: Hugo oder Egon?“, dann entstehen Momente der Spontaneität, die im Fernsehbusiness der PR-Absprachen selten geworden sind.

Mit ihrer Sendung zeigt Ina Müller, dass gekonnte Unterhaltung – Menschen eine schöne, unbeschwerte Zeit zu geben – weder eine Showtreppe braucht noch eine aufwendige Lichtregie. Mit dem einfachen Konzept, mit den Gästen etwas erleben zu wollen, stellt sie aufwendige Primetime-Shows in den Schatten und zeigt, worauf es bei Fernsehunterhaltung ankommt: Persönlichkeit. Hier auch auf das Risiko hin, am Ende wie vom Sturm zerzaust dazustehen.

 
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