46. Grimme-Preis 2010

360° Geo Reportage – Die Bambusbahn von Kambodscha (ARTE)

 

Publikumspreis der Marler Gruppe wird vergeben an 

Carmen Butta (Buch/Regie)

René Dame (Kamera)

Stab

Produktion: Medienkontor, Kerstin Walz

Buch/Regie: Carmen Butta 

Kamera: René Dame 

Schnitt: Ingo Röske

Ton: Vivien Vogel 

Sprecher: Sabine Jaeger 

Redaktion: Antoinette Spielmann 

Erstausstrahlung: Samstag, 7.2.2009, 20.00 h 

Sendelänge: 52 Min.

Inhalt

Sie ist ein Werk der Selbsthilfe und Improvisation: „Norry“, die Bambusbahn von Kambodscha. Zwei Achsen, eine Ladefläche aus Bambus und ein Generator. Bürgerkrieg und Diktatur haben dem Land und seinen Menschen tiefe Wunden zugefügt.

„Norry“ wurde zu einer Lebensader in dem verminten Land. Sie transportiert Güter und Vieh ebenso wie Menschen – zur Arbeit, zum Einkaufen, zum Arzt. Auf geflickten Schienen rattert sie durchs Land, Pannen sind an der Tagesordnung. Tith Ly arbeitet seit Jahren als Norryführer. An ein Ende mag er nicht glauben, auch wenn die Staatsbahn immerhin ein paar Mal im Monat wieder verkehrt. Zu wichtig war die Bambusbahn, zu sehr hat er sie in sein Herz geschlossen. Die Reportage begleitet Tith Ly auf seinen Fahrten, erzählt die Geschichte seiner Familie, die zuversichtlich dem Aufschwung entgegen sieht und ein besseres Leben für die Kinder erhofft. Die Fahrt mit „Norry“ zeichnet aber auch ein Bild des Landes – vorbei an Reisfeldern, auf denen jedes zweite Bauernkind arbeiten muss, um seine Familie mitzuernähren, vorbei an Ziegeleien, die boomen, weil wieder Häuser gebaut werden, vorbei an einem buddhistischen Kloster, in dem die Mönche eine Schule betreiben, weil sich ihr Land ohne Bildung nicht weiterentwickeln wird... Trotz der Armut ist Kambodscha ein Land im Aufbruch, seine Menschen blicken hoffnungsfroh in die Zukunft.

Begründung der Marler Gruppe

Man nehme etwas Bambus, alte Metallräder und einen Generator – fertig ist… nein, kein merkwürdiges Gericht. Aber hinter den Zutaten verbirgt sich sehr wohl ein Rezept. Nämlich eines zur Selbsthilfe, zum Überleben – und genau das steht hinter der der Bambusbahn à la Kambodscha. Ohne sie gäbe es in einer ganzen nördlichen Region des Landes keine Arztbesuche, keine Feste, keine Marktbesorgungen, keinen Handel. Die Bambusbahn, weder verboten noch genehmigt, ist die Lebensader für die Menschen. Und von all dem berichtet der Film von Carmen Butta, gesendet als 360-Grad-Geo-Reportage.

Eindringlich, sensibel, in angemessenem Tempo und in einfühlsamen Bildern wird die Geschichte des Draisinenführers Tith Ly erzählt, auch die seiner Passagiere und der Menschen, die längs der Bahnlinie leben. Von Reisbauern, Müllern, einem Ziegeleibesitzer und von den Kindern. Kein Katastrophenjournalismus aus einem vom Bürgerkrieg immer noch gebeutelten Land, sondern Informationen und Bilder von Menschen, die ihr Schicksal in die eigenen Hände genommen haben und nicht auf staatliche Hilfe warten. Von Menschen, die nicht die Augen vor den Problemen des Landes verschließen. Die auch nicht wegschauen oder davonlaufen können, weder vor den immer noch vorhandenen Landminen, den schlechten Reisernten, der Korruption und den Gefahren der Globalisierung. Die aber einen großen Überlebenswillen haben, über die hohe Kunst der Improvisation verfügen und den Glauben an eine bessere Welt.

Die Kamera fängt intensive Bilder ein, oftmals poetisch anmutend, immer dicht an den Menschen, aber niemals voyeuristisch. Es sind die vielen Groß- und Detailaufnahmen, die den Betrachter mit in die Welt dieser Menschen nehmen und sie ihm nahe bringen; begleitet durch eine eindringliche Musik, die nicht ablenkt, sondern die Intensität der Bilder unterstützt.

Die Bambusbahn von Carmen Butta und Kameramann René Dame ist eine Reportage auf höchstem Niveau, die den Betrachter informiert, fesselt und in den Bann zieht.

 
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