44. Grimme-Preis 2008

Tomte Tummetott und der Fuchs (ZDF)

 

Sonderpreis Kultur des Landes NRW an

Sandra Schießl (Regie)

Stab

Produktion: Ogglies Film Productions, Jan Weitendorf

Drehbuch: Marcus Sauermann nach Astrid Lindgren

Regie: Sandra Schießl

Kamera: Mikolaj Jaroszewic

Schnitt: Kerstin Sprenger, Andreas Fett

Sprecher: Achim Hall (Tomte), Wolf Frass (Fuchs), Florentine Stein (Emma), Peter Kirchberger (Hund) u.a.

Redaktion: Irene Wellershoff, Götz Brandt

Erstausstrahlung: Montag, 25.12.2007, 6.50 h

Sendelänge: 28 Min.

Inhaltsangabe

Foto: TRIKK17„Nur weil man etwas nicht sieht, heißt das noch lange nicht, dass es das nicht gibt...“, tröstet die Mutter die kleine Emma, weil ihre Geschwister sie auslachen. Es ist Weihnachtsabend, und bevor Emma zu Bett geht, will sie noch eine Schale Grütze für Tomte Tummetott in den verschneiten Hof stellen. Aber die Geschichte von dem kleinen Wichtel, der über Mensch und Tier auf dem Bauernhof wacht, das ist doch nur eine Legende für die ganz kleinen Kinder... Als alle schlafen, kommt der Wichtel aber tatsächlich und macht das, was er seit Jahrhunderten tut – er raunt den Tieren seine Wichtelworte zu: „Viele Winter sah ich kommen und gehen. Geduld nur, auch diesem Winter folgt wieder ein Frühling!“ In dieser Weihnachtsnacht bekommt Tomte allerdings mehr zu tun, als den Tieren Trost in der Kälte zu spenden. Ein hungriger Fuchs hat es auf die Hühner abgesehen und den Wachhund überlistet. Und außerdem hat sich die kleine Emma an das Wohnzimmerfenster geschlichen, um nach Tomte Ausschau zu halten. Doch beim Warten ist sie eingeschlafen, ihre Puppe liegt zu nah am Kamin und droht Feuer zu fangen. Aber weil Tomte über Mensch und Tier wacht, wird am Ende alles gut. Und Emma hat ihn tatsächlich gesehen, den kleinen Wichtel, den es angeblich gar nicht gibt... Vorlagen für den Puppentrickfilm waren zwei Bilderbücher der schwedischen Autorin Astrid Lindgren und des Zeichners Harald Wiberg aus den 60er Jahren. Astrid Lindgren wiederum ließ sich von einem Gedicht aus dem 19. Jahrhundert inspirieren.

Begründung der Jury

Ein verschneiter Wald, ein Bauernhof am Weihnachtsabend: erleuchtetes Wohnhaus, Ställe und Schuppen mit schneebedeckten Dächern, tiefer Frieden liegt über der Szene. Oder? Die Tiere des Waldes sind nicht immer nur friedlich, und um ein Haar wäre es den Hühnern auf der Stange übel ergangen. Denn der Fuchs hat sich herangeschlichen, auch er will Weihnachten feiern – mit einem Festmahl. Aber die Mäuse und die Kuh, die passen auf, der Hund tut sein Bestes, und schließlich ist da Tomte Tummetott, ein weiser Wichtel, der seit unvordenklichen Zeiten diesen Hof beschützt. Er durchkreuzt die List des Fuchses und schickt den Hund los, einen Brand zu verhüten. Und so kommt es, dass die Menschen – Vater, Mutter, zwei Jungen und ein Mädchen – von den Beinahe-Dramen um sie herum gar nichts mitbekommen und ein ganz und gar harmonisches Weihnachten erleben.

Diese Geschichte, die Astrid Lindgren nach einem Gedicht von Victor Rydberg erzählt hat, wurde hier in einen Puppentrickfilm umgesetzt, im aufwendigen Stop-Motion-Verfahren. „Tomte Tummetott und der Fuchs“ entstand im Laufe einer zweijährigen Teamarbeit auf Basis von 300 Zeichnungen, angelehnt im Stil an die Original-Buchillustrationen des schwedischen Malers Harald Wiberg, mit über 400 Einstellungen und 41.106 Einzelbildern. Das bewundernswerte Geschick der Puppenbauer, der Animatoren und des Sounddesigners, ergänzt um die Kunst von Regisseurin, Autor, Kameramann und Komponist: das alles hat in der Kombination etwas Außergewöhnliches zuwege gebracht.

Der Charme einer alten Sage um den beschützenden Wichtel Tomte, um sein Wissen und Walten, wird durch die Puppen wunderbar lebendig. Wenn Tomte die Augen rollt und murmelt: „Viele Winter sah ich kommen und gehen, stets kehrten die Schwalben zurück“, wissen die Kinder (schon die Dreijährigen können darunter sein), dass sie geborgen sind und ruhig schlafen können. Zugleich aber erleben sie, wie mit dem Fuchs die Gefahr in den Hof einbricht und dass man, wie die Mäuse, die Augen offen halten muss, dass Frieden Mühe kostet.

So entsteht eine Spannung, die von der Musik gesteigert und in den versöhnlichen Schlusseinstellungen gelöst wird. Dabei sind die Dialoge frisch und witzig, die Wortwahl ist zeitgenössisch. Diese Literaturverfilmung hat den Zauber einer alten Legende und einer noch nicht so alten Erzählung – dank modernster Tricktechnik und viel Phantasie bei der handwerklichen Umsetzung ins Heute übertragen. Sie regt Kinder zur Lektüre von Lindgrens Werken an und weckt ihre Neugier auf die Technik des Puppentricks.

 
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