44. Grimme-Preis 2008

monks – the transatlantic feedback (ZDF/3sat/HR)

 

Adolf-Grimme-Preis an

Dietmar Post und Lucía Palacios (Buch/Regie)

Stab

Produktion: play loud! productions

Buch/Regie: Dietmar Post & Lucía Palacios

Kamera: Dietmar Post & Lucía Palacios

Schnitt: Dieter Jaufmann, Karl-W. Huelsenbeck

Redaktion: Katya Mader

Erstausstrahlung: Sonntag, 16.12.2007, 21.15 h

Sendelänge: 100 Min.

Inhaltsangabe

Foto: monks1961 kommen fünf amerikanische Soldaten nach Deutschland: Gary Burger, Larry Clark, Dave Day, Roger Johnston und Eddie Shaw werden auch über ihre Militärzeit hinaus bleiben und später als „monks“ Musikgeschichte schreiben. Die jungen Soldaten gründen eine Band, die sie „The Torquays“ nennen: eine Beatband, die im Schwange der Beatles-Euphorie in Clubs und Kneipen auftritt. 1964 lernen sie Karl Heinz Remy und Walter Niemann kennen, zwei junge Werbeexperten, die ihre Manager werden. Remy und Niemann schlagen den Musikern ein revolutionäres künstlerisches und philosophisches Konzept vor: sie wollen eine Beatband, die härter, aggressiver und politischer ist als die anderen. Gleichzeitig soll der Musikstil minimalistischer werden. Das Image der Band soll nicht nur auf der Bühne, sondern bei jedem Schritt in der Öffentlichkeit „gelebt“ werden. Nach anfänglicher Skepsis willigen die Musiker ein, aus den „Torquays“ werden die „monks. Sie lassen sich Tonsuren schneiden, tragen schwarze Anzüge und statt Krawatten Stricke um den Hals. Ihre lauten schrägen Sounds und dadaistischen Texte sind dem Zeitgeist aber weit voraus. Der große kommerzielle Erfolg will sich nicht einstellen, das Image wird für die Bandmitglieder immer mehr zur Last. 1967 trennen sich die „monks“. Ihre Musik gilt heute jedoch als Wegbereiter u. a. für Heavy Metal, Punk und Techno. Der Film lässt die fünf Musiker auf die „monk time“ zurückblicken und bringt sie für ein letztes Konzert in New York noch einmal zusammen.

Begründung der Jury

Diese Geschichte beginnt in Gelnhausen, Zonenrandgebiet, mitten im Kalten Krieg. Sie beginnt nicht im Düsseldorf von Krautrock und Kraftwerk. Aber sie führt genau dort hin. Denn „monks – the transatlantic feedback“ leistet nicht weniger als eine tiefenscharfe Ethnografie der Sechziger Jahre, ein Portrait aufbrechender Verhältnisse mit dem Himmel voller Pauken und Gitarren. Dietmar Post und Lucía Palacios erzählen anhand der „monks“ – dieser kleinen, großen Band – vom Stürmen und Drängen einer Ära. Beinahe zehn Jahre haben die beiden Filmemacher an ihrem Portrait gearbeitet. Anders gesagt: Diese Geschichte war so gut und groß, wie sich ihre Finanzierung immer wieder als prekär erwiesen hat.

Nicht, dass dies alleine schon preiswürdig wäre. Es ist nicht bloß das Kleine an diesem Film, das Abseitige, dass „monks – the transatlantic feedback“ so groß werden ließ. Nicht bloß das subkulturelle Kapital, dieses coole Wissen um eine Fußnote der Popgeschichte. Es ist vielmehr das nonchalante Talent, aus der individuellen Erzählung von fünf in Deutschland gestrandeten GIs und ihrem kurzen Ausflug in das Hinterland der Hitparaden eine Parabel für die emanzipatorische Energie einer Epoche zu machen.

Das sind die Koordinaten dieses Phänomens: Fünf Ex-Soldaten aus der amerikanischen Provinz, die in der deutschen Provinz eine Beatband gründen. Dann zwei junge Intellektuelle, Absolventen der Folkwangschule in Essen und der Hochschule für Gestaltung in Ulm, welche die Dispositive von Systemdesign und Fluxus-Happening auf eben diese Band übertragen; die aus ihnen die „monks“ machen, der Band eine Coporate Identity verpassen. Fortan tragen die Musiker Tonsur, ist ihr Sound durchtränkt von einer repetitiven, stoischen Monotonie.

Eine Vorahnung von Industrial Music, von Krautrock und Punk werden Nachgeborene aus dem einzigen Album der „monks“ herauslesen. Da waren die Musiker, jeder für sich, längst wieder in den Alltag amerikanischer Vorstädte gespült. Da waren die transatlantischen Rückkopplungen verhallt. Dietmar Post und Lucía Palacios haben sie wieder zum Schwingen gebracht. In einer Dokumentation, die, anders als der großartig utopische Lärm der „monks“, auch um die Zwischentöne weiß.

 
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