44. Grimme-Preis 2008

Iris Berben

 

Die Besondere Ehrung des Deutschen Volkshochschul-Verbandes für Verdienste um die Entwicklung des Fernsehens wird vergeben an:
Iris Berben

Begründung des Stifters

Foto: Harald HoffmannWelch' ein Bogen, welch' eine Vielfalt, welch' ein Spektrum, welche Kontinuität: Seit 40 Jahren steht die Schauspielerin Iris Berben für einen großen Farbenreichtum im deutschen Fernsehen.

Iris Berben hat Fernsehgeschichte geschrieben. Mit Partnern wie Heinz Schubert, Ingrid Steeger oder Dieter Hildebrandt spielte sie in der legendären 70er-Jahre-Comedy-Serie „Zwei himmlische Töchter“. In den 80ern machte sie an der Seite von Diether Krebs die Sketch-Serie „Sketchup“ zum Unterhaltungs-Kult, Glanz und unterhaltsamen Charme verkörperte sie in der Adels-Saga „Das Erbe der Guldenburgs“, der Familienserie „Die Wilsheimer“ und der regionalen Episodenreihe „Liebesgeschichten“. Und nicht zuletzt begründete sie als Rosa Roth eine ganz eigene Generation: jene der starken Fernseh-Kommissarinnen. Das so wichtige serielle, das unterhaltende Fernsehen verdankt ihr ganz wesentliche Impulse und Konturen.

Duell in der Nacht - Foto: ZDF/Michael BoehmeIris Berben hat die verschiedensten Rollen gespielt, dabei mit beschwingender Lust die Genres gewechselt und ihnen jeweils eine ganz spezifische Kontur verliehen. Ihr schauspielerisches Spektrum ist bezwingend: Es changiert zwischen komisch, albern, ernst, erschüttert; mal ist sie die schöne und weiche, dann wieder die schnippische oder spöttisch-ironische Frau; mal ist sie glamourös, dann wieder ganz tough – und bleibt dabei immer eine ganz unverwechselbare Persönlichkeit. Das ist große Schauspielkunst. Dem Publikum gefällt ihre repräsentative Darstellung in Großproduktionen wie „Die Patriarchin“ oder „Afrika, mon amour“. Filmen wie „Der Todesflug“, „Dienstreise – was für eine Nacht“ oder „Die Mauer – Berlin ’61“ verleiht sie eindrucksvolle Präsenz. Und sie brilliert mit nuancenreichem Spiel, wie in den kammerspielartigen Matti-Geschonneck-Inszenierungen „Silberhochzeit“ und „Duell in der Nacht“.

Dass die Schauspielerin Iris Berben sich nicht in der Medien-Glanzwelt verliert, sondern sich seit jeher intensiv gesellschaftlich engagiert, zeichnet sie in besonderer Weise aus. So füllte sie mit ihren gegenüberstellenden Lesungen aus den Tagebüchern von Anne Frank und Joseph Goebbels Theatersäle in ganz Deutschland. Ihre eindringliche Interpretation macht Vergangenes präsent und sensibilisiert auch unpolitische Zuhörer für das Leid der Opfer, schärft den Sinn für die Verbrechen der Nazidiktatur. Sie tritt ein für Mut im Alltag. Moralische Modeerscheinungen und Trends will Iris Berben damit nicht bedienen, sie will Sketchup - Foto: BR/Foto Sessnerauch keine Vorzeigefrau in Sachen Toleranz sein. Vielmehr nutzt sie ihre reiche Erfahrung, ihre starke Persönlichkeit und ihre hohe schauspielerische Prominenz und Popularität, um beharrlich gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus zu streiten und für den deutsch-israelischen und den christlich-jüdischen Dialog einzutreten. Dieses Engagement wird erkannt und anerkannt, so vom Zentralrat der Juden in Deutschland, der ihr den Leo-Baeck-Preis zuerkannte.

Der Deutsche Volkshochschul-Verband würdigt insofern mit der Besonderen Ehrung für Iris Berben nicht allein ihre so vielfältigen wie programmprägenden schauspielerischen Leistungen in nunmehr vier Jahrzehnten, sondern auch ihr ebenso hartnäckiges wie deutlich wahrnehmbares gesellschaftlich-politisches Engagement. Er ehrt also nicht zuletzt eine Haltung – so aufrecht wie konsequent.

 
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