43. Grimme-Preis 2007

Extreme Activity (ProSieben)

 

Adolf-Grimme-Preis an

Ool Osenbrügge (Formatentwicklung)

Kurt Pongratz und Catharina Niens-Klees (Regie)

Jürgen von der Lippe (Präsentation)

Stab

Produktion: Constantin-Entertainment, Otto Steiner & Ulrich Brock

Buch: Jens Teutsch-Majowski

Regie: Kurt Pongratz

Formatentwicklung: Ool Osenbrügge

Leiter Formatentwicklung und Comedy: Michael Schmidt

Moderation: Jürgen von der Lippe

Redaktion: Natalie Zizler

Erstausstrahlung: ab 15.7.2006, Samstag, 20.15 h

Sendelänge: 120 Min.

Inhaltsangabe

Das Konzept ist schlicht und hat sich auf feuchtfröhlichen Partys ebenso bewährt wie auf Kindergeburtstagen. „Activity“ ist als Brettspiel seit Jahren ein Renner. Als „Extreme Activity“ hat ProSieben es jetzt auf die Bildschirme geschickt. Zwei Mannschaften – jeweils drei prominente Männer und Frauen – erklären sich den Wolf, wie Spielleiter Jürgen von der Lippe es sicherlich beschreiben würde, und liefern sich dabei einen teils urkomischen Geschlechterkampf am Rande des Irrsinns: ein bisschen Scharade, ein bisschen Montagsmaler und ein bisschen Dingsda. Einer erklärt Begriffe, die anderen müssen raten. Damit das nicht ganz so einfach wird, gibt es die Kategorie „Extreme“.

Da müssen die prominenten Wettstreiter auch mal singend Begriffe erklären, vorher Helium einatmen, mit Muskelmännern kämpfen oder sich auf einer rotierenden Maschine durch die Gegend schleudern lassen. Und alle machen extrem gut gelaunt mit: Verona Pooth, Wigald Boning, No Angel Sandy, Oli P., aber auch Heiner Lauterbach, Jan Josef Liefers oder Til Schweiger sind schon mit viel Spaß dabei gewesen. Der Fels in der manchmal überschäumenden Brandung ist Spielleiter Jürgen von der Lippe, der sich gewohnt gravitätisch kommentierend durch die Spielrunden kalauert. Welche Mannschaft am Ende gewinnt, ist bei dem Spielspaß übrigens nicht wirklich wichtig … der Weg ist das Ziel.

Begründung der Jury

Die in diesem Jahr erstmals einberufene Jury Unterhaltung hatte gleich zwei Aufgaben. Neben der Suche nach herausragenden Produktionen kreiste die Diskussion auch um die allgemeine und noch kaum geklärte Frage: Was ist gute Unterhaltung? Muss sie gesellschaftspolitische Ambitionen aufweisen oder gehorcht sie vielmehr eigenen Sinn-Regeln, die auch ohne gesellschaftspolitische Aufladung qualitativ hochwertig und damit grimmepreiswürdig sein kann? Die Heterogenität des Wettbewerbskontingents machte es nicht leichter: Wie kann man sich sinnvoll und nachvollziehbar zwischen Sitcom, ambitionierter Talkshow, Doku-Soap und Kochwettbewerb entscheiden?

Dabei halfen der Jury zwei Fragen. Erstens, was leistet eine Produktion in ihrem Genre? Und zweitens, wie macht sie das? Dabei fand sich eine deutliche Jurymehrheit für eine Produktion, die auf den ersten Blick unspektakulär ist und „nur“ Vergnügen bereiten will. Die Gameshow „Extreme Activity“ tut dies, indem sie – wie das Gesellschaftsspiel „Activity“ – Elemente vertrauter Begriffsratespiele wie der „Pyramide“, „Nur keine Hemmungen“ und den „Montagsmalern“ kombiniert und die prominenten Mitspieler zusätzlich in extreme Ratesituationen versetzt. Die „Extrem-Spiele“ sind äußerst einfallsreich und originell und unterstreichen die kreative Leistung der Spielideen-Entwicklung. Neben dem „Heliumspiel“, bei welchem die Spieler Helium inhalieren und mit erhöhter Stimme Begriffe raten müssen, finden sich Spiele, in denen die Kandidaten zur Melodie eines bekannten Liedes singend einen Begriff umschreiben müssen oder während der Begriffsumschreibung von Wrestlern durch die Luft geworfen oder von einem professionellen Tango-Tänzer übers Parkett bugsiert werden. 

Das Ergebnis ist nicht nur höchst vergnüglich und handwerklich perfekt umgesetzt. Als Zuschauer staunt man auch über die Be- und Umschreibungsfähigkeiten der Mitspieler – und denkt unwillkürlich darüber nach, was man selbst an ihrer Stelle getan hätte. Das Format zeichnet sich somit durch einen gekonnten Spiele-Mix aus, der außergewöhnliche Actionspielelemente mit klassischen Ratespielen kombiniert. „Extreme Activity“ ist somit gute Unterhaltung mit Aktionswert, eine Spielshow, die ihren Unterhaltungswert in hohem Maße daraus bezieht, dass sie sich mit der Intelligenz ihrer Zuschauer verbündet. 

Zum Unterhaltungswert der Show trägt ihr Moderator wesentlich bei. Indem Jürgen von der Lippe souverän zwischen Kalauer und Bonmot, zwischen einfachem Witz und geistreicher Anspielung changiert, macht er deutlich, dass es viele Arten gibt, sich zu unterhalten und dass vordergründige Zweckfreiheit nicht automatisch Geistlosigkeit bedeutet. Damit verwandelt Jürgen von der Lippe ein zunächst nur interessantes neues Format in ein herausragendes Unterhaltungsangebot.

 
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