42. Grimme-Preis 2006

Justin Webster und Daniel Hernández (ZDF/ARTE/BBC/TVC/NTS)

 

Adolf-Grimme-Preis an

Justin Webster und Daniel Hernández

für "FC Barcelona - Das Jahr der Entscheidung" als herausragendes Beispiel für
kritische Hintergrundberichterstattung im Bereich Sport.

Begründung der Jury

Sport und Hintergrund - dieses Begriffspaar kommt im deutschen Fernsehen selten zusammen. Umso mehr ist die Dokumentation "FC Barcelona - Das Jahr der Entscheidung", die ARTE ihre Weltpremiere feierte, ein glanzvoller Glücksfall. Daniel Hernández und Justin Webster erzählen darin die Geschichte von Juan Laporta und einer Gruppe anderer millionenschwerer Mittdreißiger, die im Juni 2003 den hochverschuldeten FC Barcelona übernehmen - und anfangs auf Widerstände stoßen.

Hernández/Webster sind sehr nah dran an den Machthabern, auch in eher privaten Zirkeln ist die Kamera dabei - die Offenheit ist Teil der neuen Politik von Laporta und Co. Ob die Bosse Vertragsgespräche mit Spielern führen oder über geeignete Kreditgeber beraten: Der Zuschauer bekommt einen nachhaltigen Eindruck vom Fußball-Managementalltag.

"FC Barcelona" steht aber nicht nur für herausragende hintergründige Sportberichterstattung, sondern funktioniert auf mehreren Ebenen. So ist der Film ist auch eine fesselnde Saisonchronik - klassische Sportberichterstattung, wenn man so will. Wirtschaftsjournalistisch nimmt er ebenfalls eine Ausnahmestellung ein. Welcher Konzernvorstand - der FC Barcelona ist nicht nur Fußball-Institution und katalanisches Heiligtum, sondern durchaus auch ein Konzern - würde ein TV-Team so dicht an sich heranlassen?

Der internationale Titel, "FC Barcelona Confidential" ist offensichtlich inspiriert vom Hollywoodthriller "L.A. Confidential", der auf dem gleichnamigen Roman James Ellroys basiert - und verweist damit auf eine weitere Facette dieser Doku: den Krimi-Charakter. Sogar beim Fußballfachmann, der den Saisonverlauf kennt, rufen die beiden Autoren das Gefühl hervor, nicht zu wissen, wie es ausgeht. Die emotionale Wirkung ist ähnlich wie bei einem Sportspielfilm, wo der Protagonist oder die Protagonisten eine persönliche und/oder sportliche Krise durchmachen, um dann schließlich doch als Sieger daraus hervorzugehen. Auch "FC Barcelona" hat so ein happy end - was weder die Macher noch die Protagonisten vorher wissen konnten.

Die inhaltliche Vielschichtigkeit korrespondiert kongenial mit einer furiosen Bildästhetik, die für die Genres Sportfiction, Sportdoku und aktuelle Berichterstattung gleichermaßen inspirierend sein sollte. Als Beispiel genannt seien die Kameraperspektiven von den oberen Rängen des gigantischen Stadions Camp Nou, die dem Zuschauer ein Raumgefühl für diese Arena vermitteln. Die Summe all dieser TV-genreübergreifenden Stärken ist überzeugend - und guter Grund für den "Spezial"-Preis.

 
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