42. Grimme-Preis 2006

"Durch die Nacht mit…" (ZDF/ARTE)

 

Adolf-Grimme-Preis an

Edda Baumann-von Broen (Konzept/Produktion), 

Cordula Kablitz-Post (Produktion/Regie), 

Martin Pieper (Konzept/Redaktion) 

Hasko Baumann (Buch/Regie)

Begründung der Jury

Die Sendereihe "Durch die Nacht mit…" ist einzigartig im deutschen Fernsehen, erlaubt sie doch Einblicke in Werk und Psyche bekannter Menschen aus der Welt der Kultur, die in keinem anderen Format in dieser Form zu sehen sind. Das Konzept ist so simpel wie raffiniert: Zwei Persönlichkeiten aus Kunst und Kultur verbringen, von zwei Kamerateams begleitet, einen

Abend miteinander. Sie steuern mehrere Stationen an, eine Bar, ein Restaurant, das übliche, trinken hier und da auch mal ein Gläschen, wie das die meisten Menschen eben beim Ausgehen machen - und mit der Zeit scheinen sie die Kameras immer mehr zu vergessen und erzählen Dinge oder zeigen Seiten, die sie sonst nicht erzählen oder zeigen würden, jedenfalls nicht im Fernsehen. Vielleicht liegt es auch daran, dass sich in dieser Sendung Prominente auf Augenhöhe begegnen - und nicht, wie sonst meistens, einem Moderator gegenüber sitzen, den sie mit vorher abgesprochenen, sympathischen und letztlich komplett nichtssagenden Anekdoten auf Abstand halten können.

Nein, in "Durch die Nacht mit…" begegnen sich - und damit dem Zuschauer - zwei Menschen, die sich füreinander interessieren; die sich miteinander amüsieren; die sich mitunter auch mal grandios zusammen langweilen. Wie das jeder von eigenen Abenden kennt. Im besten Fall kommt dabei eine amüsante, informative, ungewöhnliche, abwechslungsreiche Stunde Programm heraus. Doch auch wenn Menschen einander nichts zu sagen haben, kann das interessant sein - vorausgesetzt, es sind interessante Menschen, und das ist bei diesem Format tatsächlich der Fall. Alleine dafür, für die Auswahl ihrer Protagonisten, haben die Macher schon einen Preis verdient. Denn hier treffen kaum oder nur ihrer Fangemeinde bekannte Künstler auf solche, über die jeder schon eine Meinung hat, die er nach dieser Sendung jedoch unter Umständen wird revidieren müssen.

Christoph Schlingensief beispielsweise traf voller Fragen in Frankfurt auf einen allwissenden, Frage-losen Michel Friedmann; István Szábo zeigte Otto Sander sein Budapest; Markus Lüpertz und Hermann Nitsch philosophierten über Kunst in Wien; Moritz Bleibtreu führte Oliver Pocher in Hamburg vor; Alice Schwarzer zog Arm in Arm mit Leander Haussmann durch Köln. Und der Zuschauer ist dabei; lernt in kurzen Einspielern über Leben und Werk, sieht im Hintergrund die jeweilige Stadt vorüberziehen und erfährt mehr über die Persönlichkeiten der Portraitierten, als denen manchmal lieb sein kann. Im nahen Fernsehen.

 
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