42. Grimme-Preis 2006

Die Nachrichten (ZDF)

 

Adolf-Grimme-Preis an

Alexander Osang (Buch)

Matti Geschonneck (Regie) 

Stab

Buch: Alexander Osang (Preisträger)

Regie: Matti Geschonneck (Preisträger)

Kamera: Wedigo von Schultzendorff

Schnitt: Inge Behrens

Darsteller: Jan Josef Liefers, Nina Kunzendorf, Anna Schudt, Dagmar Manzel, Uwe Kockisch, Henry Hübchen

Redaktion: Caroline von Senden

Produktion: Network Movie Film- und Fernsehproduktion GmbH&Co. KG

Sendelänge: 91 Min.

Erstausstrahlung: Montag, 3.10.2005, 20.15 h

Inhaltsangabe

Der Mann aus dem Osten hat es geschafft, seine Karriere ist beispiellos. Fünf Jahre nach der Wende ist Jan Landers Sprecher der wichtigsten Fernsehnachrichtensendung in Hamburg und soll nun sogar als Moderator zum Abendjournal wechseln. Auch privat läuft alles mehr als gut: Landers plant den Umzug in eine repräsentative Wohnung und verliebt sich in die Erbin einer großen Brauerei. Kein Wunder, dass die "Spiegel"-Journalistin Doris Theyssen für eine Serie über erfolgreiche "Ossis" auch den Nachrichtenmann porträtieren will.

Für ihre Recherchen stellt sie auch eine Anfrage bei der Gauckbehörde in Berlin - und stößt auf eine Sensation: War Landers Mitarbeiter der Stasi? Ist er IM Pankow? Durch Zufall erfährt auch der Provinzjournalist Thomas Raschke von Theyssens Recherche und wittert die große Story. Die beiden Journalisten liefern sich einen Wettlauf um die Akten und jagen Gerüchten hinterher, die auch von einem ehemaligen Stasi-Führungsoffizier bestärkt werden. Raschke nimmt unterdessen auch Kontakt zu Landers auf. Der wurde mittlerweile wegen des schwerwiegenden Verdachts gegen ihn vom Sender genommen, obwohl er immer wieder beteuert, sich an keine Stasi-Tätigkeit erinnern zu können. Nun stellt er selbst Nachforschungen an, um herauszufinden, warum es bei der Gauckbehörde eine Karteikarte mit seinem Namen gibt.

Begründung der Jury

Das gibt es selten. Ein Film der - mindestens - so gut gelingt wie der Roman, auf dem er basiert. Roman und Drehbuch stammen von dem im Ostdeutschland aufgewachsenen Journalisten Alexander Osang. Regisseur Matti Geschonneck, ebenfalls mit Ost-Biographie, machte aus Buchstaben Bilder.

Jan Josef Liefers lieh der Hauptfigur, dem Nachrichtensprecher Jan Landers, sein Gesicht. Einem konturlosen Menschen, der doch eigentlich immer nur alles richtig machen will. Und deshalb von Grund auf verkehrt ist. Ein Mann ohne Eigenschaften. Als sich der aus der DDR stammende Moderator in den 90er Jahren mit dem Vorwurf konfrontiert sieht, für die Stasi gearbeitet zu haben, knickt nicht nur seine Karriere. Landers versteht die Welt nicht mehr. Kann er sich doch an nichts erinnern! Die fehlende, die verfälschte Erinnerung. Es ist ein großes deutsches Thema des 20. Jahrhunderts, das Osang mit den "Nachrichten" behandelt. Eine taffe  "Spiegel"-Reporterin (Dagmar Manzel) und ein verkrachter Lokaljournalist (Uwe Kockisch) wollen Landers auffliegen zu lassen. Eine Mediengeschichte also. Hier meistert der Film eine gefährliche Klippe. Denn Journalistenfiguren in Fernsehfilmen geraten fast immer hochnotpeinlich. Ausnahmen, wie etwa die Satire "Schtonk!", bestätigen diese Regel. Zugegeben, manchmal droht die Schilderung des Medienmilieus auch in den "Nachrichten" in Klischees zu verfallen, etwa wenn die "Spiegel"-Konferenz inszeniert wird wie die "Focus"-Reklame im Fernsehen.

Doch durch den besonderen Witz des Films, durch Karikatur und Parodie wird auch der Zuschauer, der die Medien- und Fernsehwelt von innen kennt, damit versöhnt. Eine Fernsehgeschichte im Fernsehen zu erzählen ist ein Wagnis. Gut, dass es hier eingegangen wurde. Film ist - und das ist ein Gemeinplatz, den man gar nicht oft genug wiederholen kann - Teamwork. Und an diesem Fernsehfilm beeindruckten die Jury neben Buch und Regie, die hier ausgezeichnet werden, vor allem das gelungene Zusammenwirken aller Teile und Gewerke. Und zwar wirklich aller, nicht nur derer, die wie Kamera und die schauspielerischen Leistungen (wobei vor allem Henry Hübchen als Ex-Stasi-Offizier hervorzuheben wäre) schon auf den ersten Blick nicht zu übersehen sind. Vom Casting der Nebenrollen bis hin zu Ausstattung und Maske und der Auswahl der Locations - hier stimmt das Ganze dieser ausgezeichneten Produktion.

 
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