42. Grimme-Preis 2006

Alias Alejandro (ZDF)

 

Mercedes-Benz-Förderstipendium an

Alejandro Cardenas-A.

Stab

Redaktion: Burkhard Althoff

Buch / Regie: Alejandro Cardenas-A. (Preisträger)

Kamera: Florian Schilling

Schnitt: Cuini Amelio-Ortiz

Produktion: sabotage films, Martin Cichy und Karsten Aurich und dffb

Sendelänge: 93 Min.

Erstausstrahlung: Montag, 4.7.2005, 0.10 h

Begründung der Jury

Ein junger Mann, Filmemacher, macht sich auf der Suche nach seinem Vater. Es handelt sich um keinen gewöhnlichen Vater, sondern um Peter Cardenas Schulte, genannt "Alejandro", einen der führenden Köpfe der peruanischen Organisation Movimiento Revolucionario Tupac Amaru (MRTA). Alejandro ist einer der meistgesuchten Terroristen Lateinamerikas und sitzt seit 1992 lebenslänglich im Hochsicherheitstrakt. Eines Tages nimmt er brieflich Kontakt mit seinem Sohn auf. An dieser Stelle beginnt der Film. Er wird mit einem Besuch des Autors beim Vater im Gefängnis enden, mit vielen offenen Fragen und einem erweiterten politischen und sozialen Horizont des Filmemachers.

Der Film von Alejandro Cardenas-A., eine Abschlussarbeit an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb), ist ein Roadmovie, das seine Zuschauer mitnimmt auf eine weite Reise. Auf interessante Weise gelingt es dem Regisseur, privates Leben, soziale Erfahrung und politische Information miteinander zu verschränken. Auf seiner Vatersuche lernt der Autor nicht nur ihm bisher unbekannte Verwandte und Halbgeschwister in Schweden und in Peru kennen. Er stößt auch auf soziale Verhältnisse, die ihm bisher unbekannt waren. Und er entdeckt für sich eine wichtige politische Periode in der Geschichte Lateinamerikas, der Auseinandersetzungen zwischen Guerillas, der politischen Linken und der jeweiligen Staatsmacht. Er lernt das ärmliche Leben in der Hochebene der Sierra kennen und er spricht mit den Mitgliedern der peruanischen Wahrheitskommission, die Licht in die jüngste gewalttätige Vergangenheit des Landes zu bringen versucht.

Alejandro Cardenas-A. erzählt diesen weitläufigen Stoff natürlich aus der sehr persönlichen Sicht eines filmenden Sohnes. Er überschreitet aber auch die Grenzen einer Ich-bezogenen Arbeit. Er ist sehr neugierig, verführt die Kamera immer zu Beobachtungen und widmet auch dem Detail Aufmerksamkeit. Schon als Kind war Alejandro Cardenas-A. filminteressiert und hat kleine Animationsfilme gedreht. Zeichnungen und animierte Sequenzen arbeitet er jetzt sehr stilsicher in sein Roadmovie ein. Die Vielfalt der filmischen Mittel, die pure Erzähllust und die frische Unmittelbarkeit in der Arbeitshaltung machen neugierig auf die nächsten Filme des Autors und lassen hoffen, dass das Förderstipendium ihn dabei unterstützen kann.

 
Zurück