41. Grimme-Preis 2005

München 7 (BR)

 

Adolf-Grimme-Preis an

Franz Xaver Bogner (Buch & Regie)
(stellv. für das gesamte Produktionsteam)

Stab

Redaktion: Ariane Ofiera

Produktion: BR, Christian Hayer, Dorothea Schmid

Buch / Regie: Franz Xaver Bogner (Preisträger, stellv. für das gesamte Produktionsteam)

Buch: Peter Bradatsch

Kamera: Harry Bruntz

Schnitt: Monika Lutz

Darsteller: Florian Karlheim, Andreas Giebel, Luise Kinseher, Eisi Gulp, Christian Lerch, Isabella Jantz, Sepp Schauer u. a.

Sendelänge: je 60 Min.

Erstausstrahlung: ab 24.10.2004, jew. sonntags um 19.45 h

Inhaltsangabe

Xaver Bartl ist grantig! Der dienstälteste Polizist auf dem Münchener Revier 7 bekommt nicht die neue junge, hübsche Polizistin Sandra zur Seite gestellt. Nein, sein neuer Partner heißt Felix Kandler, ist zwar auch jung, aber männlich und darum für Xaver ein Grund, seinen Job zu schmeißen.
Schließlich hat er ja noch ein zweites Standbein: das von seiner Schwester geführte gemeinsame Hotel am Viktualienmarkt. Natürlich kommt es nicht wirklich zur Kündigung und Xaver und Felix werden sich schon zusammenraufen, doch ein bisschen dubios ist er dennoch - der Neue.

Felix´ Geheimnis: Er stand mal auf der anderen Seite des Gesetzes und war als Glücksspieler unterwegs, bis er sich doch eines Besseren belehren ließ und in die Fußstapfen von Vater und Großvater trat. Die waren nämlich auch Polizisten. Felix´ frühere Kumpels können diesen "Verrat" natürlich nicht gutheißen.

Nun lösen Xaver und Felix also gemeinsam ihre Fälle - kein Mord und Totschlag, sondern eher die alltäglichen Vorkommnisse, mit denen sich ein Revier in der Großstadt eben so beschäftigen muss. Oft sind dabei auch andere Gesetzeshüter und Helfer in der Not mit von der Partie - von den Feuerwehrleuten bis hin zu den U-Bahn-Kontrolleuren. Mit denen trifft man sich übrigens nach Feierabend auch gerne mal in der "Trattoria 30 %". Da gibt´s nämlich entsprechenden Rabatt.

Und zur Zerstreuung macht der Xaver noch Musik - als Leiter der Häftlingskapelle "Stadelheim-Band", doch der "gute Ton" ist nicht unbedingt eine Stärke der schweren Jungs.

Begründung der Jury

"Ach bitte, wo geht's denn hier raus?" fragt Felix Kandler, als er an seinem ersten Arbeitstag als Streifenpolizist durch die Flure der Justizvollzugsanstalt Stadelheim irrt und versucht, den schön schrägen Tönen der Häftlings-Big-Band zu entkommen. "Ja, wenn ich das wüsste…" ist die bezeichnend trockene Antwort des Gänge fegenden Häftlings. Wir sind mitten drin in den urkomischen Geschichten um spezielle Polizeimethoden und Münchner Eigenbrödeleien.

Der Autor und Regisseur Franz Xaver Bogner schreibt seine Lust an Anarchie und lakonischem Wortwitz in Handlung und Dialoge hinein. Ein genauer Blick auf das Milieu, die stilsichere Gratwanderung zwischen komödiantischem Chaos und Klamauk machen ihn zum hervorragenden Erzähler bayrischer Geschichten. Die sorgfältige Entwicklung der Charaktere lässt uns von Folge zu Folge mit erwartungsvoller Spannung an ihrer persönlichen Entwicklung Anteil nehmen.

Dabei ist München 7 natürlich keine Polizeiserie im üblichen Sinn. Von der Neuperlacher Unterwelt bis zur Justizvollzugsanstalt Stadelheim erstreckt sich der Schauplatz der Reihe. Im Zentrum liegt der Viktualienmarkt mit Rathaus und Marienplatz, ein detailreich beschriebener und sehr dynamischer Mikrokosmos voll krimineller Energie.

Die Polizisten lassen sich nicht so schnell aus der Ruhe bringen und fürchten nichts so sehr wie Protokolle schreiben. Daher regeln sie möglichst alle Fälle so, dass sie gar nicht erst entstehen. Gefeiert und gegessen wird in der Trattoria 30%, deren Wirt Fale allen Uniformierten 30% Rabatt gibt, weswegen Polizisten, Feuerwehrleute, Sanitäter und U-Bahn-Wächter hier viel Zeit verbringen.

Das alte und das neue München verkörpern sich in dem zentralen Ermittlerteam äußerlich und charakterlich. Der souveräne Urmünchner Xaver Bartl, gespielt vom Kabarettpreisträger Andreas Giebel, kennt die Innenstadt wie kein anderer, und alle kennen ihn. "Die beste Art zu gehen ist, indem man durch Vorwärtsbewegung vermeidet, dass man umfällt", führt er den neuen Kollegen in seine lässige Lebensphilosophie ein und vermittelt immer wieder ungewöhnliche Einsichten in die Alltäglichkeiten des Lebens. Der junge Felix Kandler, gespielt von Florian Karlheim, hat erst kürzlich die Seiten gewechselt und noch mehr Spezl in der Neuperlacher Unterwelt als ihm manchmal lieb ist.

Bleibt zu fragen, wie salonfähig der bayrische Dialekt mit seinen Ausflügen ins Fränkische und Allgäuische ist? Wir wünschen diesem regionalen Eigensinn und seinem Schöpfer jedenfalls einen Platz in der ersten Reihe.

 
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