40. Grimme-Preis 2004

Dieter Hildebrandt

 

für sein Lebenswerk 

Begründung der Jury

Dieter Hildebrandt zählt zu den Begründern des politischen Kabaretts im Deutschland der Nachkriegszeit. Ein Job als Platzanweiser in einem Münchner Kabarett brachte ihn zum Theater, bevor er 1956 die berühmte Münchner Lach- und Schießgesellschaft gründete. Gemeinsam mit seinem langjährigen Freund und Partner Sammy Drechsel entwickelte sich die Bühne in Schwabing unter Hildebrandts Leitung zu einer der ersten Adressen für ein freches und keinerlei Konflikte scheuendes politisches Kabarett, dessen Programm viele Jahre im Fernsehen übertragen wurde.
Weit über Deutschland hinaus bekannt wurde Dieter Hildebrandt durch seine satirischen Fernsehsendungen: Zunächst von 1972 bis 1979 mit "Notizen aus der Provinz" im ZDF und dann, nach einer erzwungenen Sendepause im Wahljahr 1980, von 1981 bis 2003 mit dem "Scheibenwischer" bei der ARD.
Durch ihn wurden auf der "Lach- und Schieß"-Bühne sowie beim "Scheibenwischer" mehrere Generationen junger Nachwuchskabarettisten entdeckt und gefördert. Auch in seinen zahlreichen Büchern, darunter "Vater unser, gleich nach der Werbung", rechnet Hildebrandt auf ironische und sarkastische Weise mit dem deutschen Fernsehalltag ab. Seine Sendungen, die mehrfach auch mit Grimme-Preisen ausgezeichnet wurden, dienten der Erhaltung von Sprachkultur und der politischen Bildung eines breiten Fernsehpublikums.
Mit seinem Abschied vom Bildschirm am 3.Oktober 2003, den noch einmal mehr als 5 Mio. Zuschauer verfolgten, geht eine ganze Ära des politischen TV-Kabaretts zu Ende, die mit seinem Namen verbunden ist. Insofern hat Dieter Hildebrandt, von Politikern und TV-Programmhierarchien nicht selten als "Nestbeschmutzer" diffamiert, wesentlich zur Information und zur Aufklärung durch das Medium Fernsehen beigetragen.

 
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