54. Grimme-Preis 2018

Volker Steinhoff, Sven Lohmann und Dietmar Schiffermüller

 

Grimme-Preis für die besondere journalistische Leistung an

 

Volker Steinhoff (Redaktionsleitung Panorama), Sven Lohmann (Redaktionsleitung Panorama 3), Dietmar Schiffermüller (Redaktionsleitung Panorama - die Reporter) stellvertretend für die Redaktionen für ihre Berichterstattung zu den Ereignissen des G20-Gipfels. (NDR)

 

Autoren: Djamila Benkhelouf, Robert Bongen, Johannes Edelhoff, Johannes Jolmes, Jasmin Klofta, Pia Lenz, Anna Orth, Anne Ruprecht, Nino Seidel, Stefan Buchen, Fabienne Hurst, Ben Bolz, Christian Salewski, Tina Soliman, Jan Philipp Hennig, Andrej Reisin

Moderatorin/Leiterin: Anja Reschke

Mitarbeit: Maike Rudolph, Klaus Siekmann

 

Inhalt

Vielen sind die Bilder vom Juli 2017 noch im Gedächtnis. Am Rande friedlicher Demonstrationen gegen den G20-Gipfel in Hamburg eskalierte der Protest zu zerstörungswütigen Ausschreitungen. Auf die Demolierungen und Plünderungen reagierten teils überforderte Polizeieinheiten überaus gewaltbereit. Viele Augenzeugen berichteten, diese Erwiderung habe die Exzesse noch befeuert. Politische Inhalte traten dabei in den Hintergrund, ernsthafte Debatten wurden im Keim erstickt. Was blieb, war Fassungslosigkeit: über die angeblich unfähige Polizei, lasche Justiz, prügelnden Linken, parteiischen Medien. Nach den wenigen Tagen des Gipfels fing alles erst so richtig an – polizeiliche Ermittlungen, lange Gerichtsverfahren, politische Aufklärungsbemühungen, mediale Schlammschlachten, Grundsatzdiskussionen. Diesen gesamten Prozess, vom Anfang bis in die Zukunft hinein, begleiteten und begleiten die drei Redaktionen der politischen Investigativmagazine „Panorama“, „Panorama – Die Reporter“ und „Panorama 3“.

 

Jurybegründung

Der Grimme-Preis für „besondere journalistische Leistung“ zeichnet das kleine Format aus, das der klassischen Fernsehpublizistik verpflichtet ist. Dieses Jahr müsste er eigentlich an eine zweistellige Zahl von überaus gewissenhaften Redakteurinnen und Redakteuren, Autorinnen und Autoren verliehen werden. Stellvertretend für ein engagiertes Team wird er von den drei Redaktionsleitern entgegengenommen. Ihnen allen ist über Monate hinweg eine investigative Berichterstattung gelungen, die vorbildhaft ist für einen nicht nur informativen, sondern auch ausgewogen urteilsbildenden Journalismus, der eben keine vorgefertigten Meinungen über den Bildschirm verbreitet. Damit aufgeklärte, demokratische Meinungsbildung funktionieren kann, bedarf es einer kritischen Aufarbeitung von mitunter komplexen Sachverhalten, verschiedener und z.T. einander entgegengesetzter Perspektiven sowie behutsamer politischer Auswertungen.

Die Panorama-Redaktionen haben früh und auf nachhaltige Weise nachgehakt beim Thema G20 und Gewalt. Besonders hervorzuheben ist die Unmittelbarkeit ihrer Berichterstattung, die bei aller Spontaneität stets routiniert war. Bereits kurz nach den Ereignissen gab es erste und ausführliche Berichte. Die Redaktionen nutzten ihren Standort in Hamburg, um von vielen verschiedenen Orten und Ereignissen zu berichten. Diese Unmittelbarkeit ging nie auf Kosten der Ausgewogenheit. Die Entwicklungen wurden in beeindruckender Weise aus vielen Perspektiven beleuchtet. Keineswegs zielten die Journalistinnen und Journalisten darauf ab, etwa die Polizei auf der einen oder gewaltbereite Demonstrierende auf der anderen Seite zu kritisieren oder diskreditieren. Ihnen war daran gelegen, alle Gruppen und viele unterschiedliche Beteiligte zu Wort kommen zu lassen. Neben den genannten Lagern gilt dies auch für Entscheidungen und Presseauskünfte der Politik, für die Rolle der Medien sowie für die Arbeit der Justiz. Zu diesem Zweck wurden auch interessante Gesprächspartnerinnen und -partner gefunden, die zuvor keine Bühne bekommen hatten, wie etwa ein traumatisierter Hamburger Busfahrer oder verletzte Linksautonome zurück in Spanien. Anders als viele andere Medien, die zwar zu Beginn ausführlich berichteten, das Thema dann aber fallen ließen, blieb Panorama hartnäckig und berichtete über Monate hinweg über neue Entwicklungen und Erkenntnisse – auch abseits ausgetretener Pfade: So etwa über den Fall des italienischen Fabio, der lange in deutscher Haft saß.

Bei all dieser umfassenden Informierung haben die Redaktionen auf der Basis exklusiver Interviews und investigativer Recherchen immer wieder die Darstellungen von Politik, Polizei, Justiz und Medien hinterfragt und teilweise richtiggestellt. Damit trugen und tragen sie einen wesentlichen Teil dazu bei, dass das Bild, das sich die Öffentlichkeit während der Ereignisse im Juli gemacht hat, korrigiert wird, ja in der Folge als ein überlegt abgewogenes überhaupt erst entstehen konnte.

 
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