54. Grimme-Preis 2018

Circus HalliGalli #GoslingGate (ProSieben)

 

Grimme-Preis an

 

Klaas Heufer-Umlauf (Idee)

Joko Winterscheidt (Idee)

Ludwig Lehner (Darstellung)

Jakob Lundt (Dramaturgische Aufbereitung)

Thomas Martiens (Dramaturgische Aufbereitung)

Thomas Schmitt (Dramaturgische Aufbereitung)

 

Produktion: Endemol/Florida TV

Erstausstrahlung: ProSieben, Dienstag, 07.03.2017, 22.15 Uhr

Sendelänge: 30 Minuten

 

Inhalt

„Circus HalliGalli“ ist inzwischen Geschichte, doch die ProSieben-Show von Klaas Heufer-Umlauf und Joko Winterscheidt hinterlässt eine besonders denkwürdige Ausgabe: Am 6. März 2017 entfiel die eigentlich vorbereitete Sendung – eingeladene und bereits angekündigte Gäste wurden verschoben – um Platz zu haben für Gosling-Gate. Zwei Tage zuvor hatte bereits ein Millionenpublikum im ZDF gesehen, wie es der Redaktion von „Circus HalliGalli“ gelang, einen falschen Ryan Gosling auf die Bühne bei der Verleihung der „Goldenen Kamera“ zu schleusen, um einen Preis für den Film „La La Land“ entgegenzunehmen. In der monothematischen Sondersendung von „Circus HalliGalli“ wurde aufbereitet, wie dieser Coup gelang. Längere Einspielfilme erzählen das Abenteuer in seiner Gänze von der ursprünglichen Idee über die kreative Energie der Vorbereitung und den Nervenkitzel am Abend selbst. Zu Gast: Ludwig Lehner, der Mann der Stunde. Jener 27-jährige Koch aus Bayern, der aufgrund mehr oder weniger überzeugender Ähnlichkeit als US-Schauspieler Ryan Gosling das Gesicht des Coups war.

 

Stab

Moderation: Joko Winterscheidt, Klaas Heufer-Umlauf

Darsteller: Ludwig Lehner

Idee: Jakob Lundt, Thomas Martiens, Thomas Schmitt

Realisation: Thomas Schmitt, Thomas Martiens

Redaktion Florida TV: Fabian Lindenmeier, Niels Münter, Linda Kaiser, Katharina Karg, Daniel Rauleder, Jennifer Kaggwa, Maximilian Williams, Sebastian Graage, Joachim Schlüter, Lisa Volz, Verena Hausser, Oanh Chau, Benjamin Harnisch, Nora Bacher

Produktionsleitung: Torsten Dunkel

Aufnahmeleitung: Katharina Köhricht, Matthias Porep

Schnitt: Jan Schüller, Kristof Schleinstein, Paul Taegert

Regie Show: Johannes Spiecker

Grafik: Carmen Prinz

Kamera Dreh: Olaf Dorow, Frank Sump

Ton Dreh: Chris Marquardt, Alex Stark

Ton Postproduktion: Florian Schäfer, Philipp Hahn

Programm Manager ProSieben: Sebastian Heinlein

Vice President Entertainment ProSieben: Hannes Hiller

Creative Producer FloridaTV: Thomas Schmitt

Geschäftsführer Florida TV: Arno Schneppenheim

CEO Endemol Shine Group Germany: Marcus Wolter 

 

Jurybegründung

Gerade einmal 48 Sekunden dauerte der überraschende Auftritt von Ludwig Lehner als falscher Ryan Gosling bei der Verleihung der „Goldenen Kamera 2017“. Ehe sich das Millionenpublikum des ZDF, die prominenten Gäste im Saal und die Verantwortlichen der Preisverleihung einen Reim auf das machen konnten, was da gerade passierte, war der falsche Gosling schon wieder runter von der Bühne. Nur ein kurzer Gruß an Joko & Klaas ließ erahnen, wer dahinter steckt.

Was dann zwei Tage später am Montagabend als Sondersendung von „Circus HalliGalli“ bei ProSieben über den Sender ging, war gleichermaßen packendes Unterhaltungsfernsehen im gewohnten Stil der Sendung von Klaas Heufer-Umlauf und Joko Winterscheidt wie auch bitterböse Medienkritik, die erfrischender Weise als lausbübischer Streich daher kam und damit Abstand nahm von Überheblichkeit, scharfem Zynismus oder allzu genüsslich ausgebreiteter Häme.

Das Team der Sendung – genannt seien neben den bekannten Gastgebern der Sendung stellvertretend die Producer Jakob Lundt und Thomas Martiens sowie Creative Director Thomas Schmitt – hat bei der Entstehungsgeschichte des Coups eine ganz eigene Sprache gefunden. Sich selbst als die tollkühnen Underdogs zu präsentieren und die Goldene Kamera in der Vorbereitung des Coups immer wieder zur größten und wichtigsten Preisverleihung zu verklären, schaffte die wunderbare Fallhöhe für das Finale dieses Abenteuers.

Beginnend mit den Bildern von der Verleihung fragt sich Klaas Heufer-Umlauf stellvertretend für uns Zuschauer: „Wie zum Teufel konnte das passieren?“. Die Antwort folgt in einem gut halbstündigen Film, der die Entstehungsgeschichte von der Idee über die Erfindung einer fiktiven Künstleragentur samt inszeniertem Online-Auftritt bis zur Kontaktaufnahme und dreisten aber erfolgreichen Verhandlung mit der Goldenen Kamera in dem von Florida TV bekannten, cineastischen Look aufbereitet – alle Schritte der Planung, die Proben mit dem falschen Gosling und die Vorbereitung des entscheidenden Abends. Wir werden zu Komplizen dieses Streichs.

Und obwohl der Ausgang des Abenteuers bekannt war, baute die Sondersendung zu „Gosling- Gate“ eine enorme Spannung auf, die in heimlich backstage gedrehtem Videomaterial von der Verleihung mündet; vorbei an allen denkbaren Hürden bis zu jenem Moment, in dem sich die Bühne der Goldenen Kamera für Ludwig Lehner, Koch aus Bayern, öffnet. So wie das Team von „Circus HalliGalli“ beim Public Viewing der Goldenen Kamera kollektiv in Jubel ausbrach, erwischte man sich selbst bei der diebischen Freude über den gelungenen Streich.

Mit enormer Spielfreude wurde die fragwürdige Käuflichkeit einer großen deutschen Preisverleihung entlarvt. Das ist die zusätzliche Ebene dieses unterhaltsamen Lausbubenstreichs und macht „Gosling-Gate“ zu mehr als jenen überraschenden 48 Sekunden auf der Bühne der ZDF-Show. Es ist die Sondersendung von „Circus HalliGalli“, die den gelungene Coup erst abrundet.

 
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